Cigars of the week: Matilde Renacer | Grande


Vor einiger Zeit gab es einen Sampler von cigarworld, über den ich mich sehr gefreut habe. Darin enthalten waren: Bugatti Quattro CLARO, Factory Overrun Costa Rica und die Viaje Circa 45 No.2.

Die Jungs aus Düsseldorf haben dabei eine wirklich schöne Mischung zusammengestellt, gerade im Falle der Viaje haben sie mich auf eine sehr schöne Zigarre aufmerksam gemacht. Der Sampler enthielt aber noch eine vierte Zigarre, nämlich die Matilde Renacer. Und nun habe ich endlich Zeit gefunden, sie einmal zu rauchen.


Kerndaten

Hersteller: Matilde
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: Grande
Einlage: Dominikanische Republik, Nicaragua
Rauchdauer: 60 Min
Preis: 7,10 € / Stk  (Stand August 2017) 

Grundlegendes

Mit gleich drei Linien auf dem deutschen Markt handelt es sich bei Matilde sicherlich nicht um eine total unbekannte Größe. Eine der Linien, die Serena, hatte ich im Frühjahr schon einmal probiert und war ganz angetan, sodass ich mich auf das vorliegende Exemplar freute. 

Was muss man über Matilde wissen? Es ist ein alter Name, denn unter der Marke gab es im 19. Jahrhundert bereits Zigarren, die sich auch großer Beliebtheit erfreuten. Damit war nach dem Tod des Firmengründers im Jahr 1910 leider Schluss. José Seijas war von der Geschichte und dem Erbe der Zigarre so angetan, dass er sich mit der Kreation der Renacer einen Lebenstraum verwirklichte und die Zigarre wieder auf den Markt brachte. Nettes Details: Renacer ist spanisch und bedeutet Wiedergeburt. 

Man merkt: Da sind die Ziele hoch gesteckt worden, auch deswegen, weil José Seijas, ein Kenner der Tabakbranche die Zigarren als sein Meisterstück bezeichnet. Mit entsprechend hohen Erwartungen ging ich daher an die Zigarre, war aber verwundert, dass sie seit November letzten Jahres im Abverkauf für Deutschland ist (in Europa allerdings weiterhin verfügbar). Aktuell wird sie in Düsseldorf für -30% angeboten. 

Praxistest 

Optisch macht die Zigarre einen guten Eindruck, mit einem 60er Ringmaß ist sie auch ein wuchtiges Geschoss, das gut in der Hand liegt. Das Deckblatt wies einige grobe Strukturen auf, aber dieser Ersteindruck muss ja noch nichts bedeuten. Der Zigarrenring hat Charme, das Logo der Zigarrenmarke finde ich wirklich gelungen. 

Bevor ich die Zigarre anschnitt, ging es um den Kaltgeruch. Hier entdeckte ich Holz und Süße, hatte nicht den Eindruck, dass es sich um ein sonderlich kräftiges Exemplar handeln könnte. Und auch der Trockenzug bestätigte meine Endrücke, wobei sich noch einige Akzente von Erde und Leder dazumischten. 

Beim anfeuern schon die erste Überraschung. Die Renacer braucht ziemlich viel Aufwand, bis sie eine gleichmäßige Glut bekommt. Der Rauch hat ein gutes Volumen und ist relativ cremig, zu den zu Beginn geschmeckten Aromen gesellt sich Süße hinzu. Doch so richtig konnte man das Exemplar nicht genießen, denn der Abbrand bereitete eigentlich von Beginn an Probleme. Während er auf der einen Seite der Zigarre gut voranschritt, tat sich auf der anderen fast gar nichts. Dem Problem konnte man mit einem Feuerzeug natürlich Herr werden, jedoch  immer nur für kurze Dauer. Das Raucherlebnis wurde dadurch erheblich getrübt, denn man war eigentlich durchgängig damit beschäftigt, die Zigarre in einen gleichmäßigen Abbrand zu bekommen. Davon abgesehen muss ich sagen, dass die Renacer sich als eintönige Zigarre erwies. Zu beginn waren die Aromen noch nett und angenehm, doch sie veränderten sich in meiner Wahrnehmung nicht. Es mag Leute geben, denen das gefällt, keine Frage. 

Während des zweiten Drittels der Zigarre begannen dann die wirklichen Probleme. Obwohl ich bemüht war, gemächlich zu rauchen (wie so häufig schrieb ich dabei, konnte also gar nicht in die Gefahr kommen, zu schnell zu rauchen), begann das Deckblatt zu platzen. Hin und wieder passiert das auch bei anderen Zigarren, allerdings ist die Renacer die Zigarre, bei der mir das Phänomen so großflächig untergekommen ist. Binnen kurzer Zeit hatte ich einen klaffenden Riss von einigen Zentimetern auf dem Deckblatt, der natürlich verästelte. An einen Rauchgenuss war spätestens ab diesem Zeitpunkt nicht mehr zu denken. 

Fazit

Es gibt da ein Sprichwort, das lautete bekanntlich: "Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul". Das sehe ich ein bisschen anders. Hätte ich für diese Zigarre bezahlen müssen, hätte ich mich richtig geärgert, denn ein solcher Totalausfall ist niemals schön. Nach der Erfahrung habe ich mich ein bisschen umgesehen - immerhin hätte ich ja auch einfach Pech haben können und das schwarze Schaf einer sonst ordentliche Marge erwischt haben. leider ist dem nichts so, es scheint eine Menge anderer Raucher zu geben, die ähnliche Probleme hatten. Nun möchte ich mich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber möglicherweise sind diese Probleme der Grund dafür, dass die Renacer vom Markt verschwinden soll.

Alles in allem: Eine schlechte Zigarre musste es in dem Sampler ja geben. Ich habe sie jetzt gefunden.

Wertung: 2/10      

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