Cigars of the week: Maria Mancini Classic | Perfecto


Wie schon kürzlich in einer anderen Zigarrenvorstellung auf diesem Blog verraten: Im Moment haben es mir ja die nicht ganz so gewöhnlichen Formate irgendwie angetan. Was genau diese Faszination ausmacht, vermag ich nicht einmal genau zu sagen – sie gefallen mir einfach.

Und so begab es mich, dass mir die Perfectos von Maria Mancini (aus dem Hause Schuster in Bünde) in die Hände fielen. Tja, was soll ich sagen? Da konnte ich gar nicht anders, als über diese Zigarre hier ein paar Worte zu verlieren.  

Kerndaten

Hersteller: Schuster
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: Robusto
Einlage:  Honduras
Rauchdauer: 45 Min
Preis: 5,80 € / Stk  (Stand August 2017) 

Grundlegendes

Wenn es einen Namen gibt, der mit der Zigarrentradition in Deutschland verbunden ist, dann ist es wohl Schuster. Die in Bünde ansässige Manufaktur hat eine ganze Menge toller Zigarren für den deutschen Aficionado auf den Markt gebracht. Aber man versteht sich eben nicht nur als Importeur (wobei das auch ein Aspekt des Geschäfts ist), sondern eben auch als Hersteller.

Der eine große Name, der mit Schuster verbunden ist, ist Casa de Torres (die ich hier doch auch eigentlich mal vorstellen könnte), der andere ist Maria Mancini. In beiden Fällen handelt es sich um Eigenkreationen.

Die Classic-Serie der Linie wartet mit bemerkenswerten neun Varianten auf, sodass für jede Vorliebe etwas dabei sein sollte. Hervorzuheben sind dabei die Magic Mountain (Torpedo) und eben die Perfecto. Preislich gibt es überhaupt nichts zu meckern: die Formate beginnen bei knapp unter vier Euro (Half Corona) und kosten bis zu etwas über sechs Euro (Presidente)    


Praxistest

Das Deckblatt der Perfecto ist angenehm hell und zuweilen seidig, das außergewöhnliche Format liegt gut in der Hand. Beim Zigarrenring hat man sich auf das wesentliche beschränkt, er ist keinesfalls überfrachtet (wie man es beispielsweise von den Zigarren aus dem Hause Asthon gewohnt ist, den Paradisos). Die goldene Umrandung verleiht dem Zigarrenring eine gewisse Würde, dabei wird jedoch nicht übertrieben. Das Logo wirkt klassisch, verglichen mit heutigen Schöpfungen vielleicht etwas in die Jahre gekommen, aber das ist und bleibt eine Frage des persönlichen Geschmacks. In der Hand liegt das Format jedenfalls auffallend gut (auch wenn das im Vergleich zu herkömmlichen Formaten erst einmal ein bisschen Zeit zur Eingewöhnung braucht). Die Verarbeitung ist makellos, Fehler konnte ich keine erkennen.

Zeit für den Kaltgeruch. Die Classic-Reihe arbeitet mit Tabaken aus Honduras, etwas was man in meinen Augen gleich bemerken kann. In der Nase machen sich angenehme Noten aus Holz uns Nuss breit. Nach dem Anschnitt zeigt sich, dass man bei Schuster weiß, wie Zigarren zu rollen sind: der Zugwiderstand ist in meinen Augen optimal, genau so wünsche ich mir das. Im Trockenzug treten dann erstmalig auch andere Aromen auf: ein wenig Süße, ein bisschen Schokolade. Holz bleibt zu Beginn dominant. Eine für mich angenehme und ausgereifte Mischung.

Wollen wir die Zigarre einmal zünden. In der Vergangenheit sammelte ich nicht unbedingt immer gute Erfahrung mit außergewöhnlichen Formaten. Oftmals handelt es sich um Hingucker, doch in der Flammabnahm und im Abbrand schwächeln sie dann. Zigarrenrollen ist eben eine hohe Kunst und gerade die außergewöhnlichen Formate erfordern ein besonderes Geschick. Hier natürlich wieder der Hinweis: Ein Perfecto will behutsamer angezündet werden als andere Formate, die konische Spitze erfordert ein wenig Aufmerksamkeit. In meinen bisherigen Erfahrungen verlief es sich dann so, dass der Zugwiderstand zu Beginn einigermaßen schwergängig war, sobald die Glut aber den kompletten Querschnitt der Zigarre erreichte viel besser wurde. Ich habe keine Ahnung, wie Schuster es hinbekommen hat, aber bei den Maria Mancini scheint es nicht so ausgeprägt. Ja, es ist ein Unterschied zwischen dem geringen Querschnitt und dem vollen Querschnitt der Zigarre zu spüren, allerdings nicht so, dass das Raucherlebins getrübt würde.

Zu Beginn jedenfalls tauchen Noten auf, die ich so nicht gleich erwartet hatte. In den ersten paar Zügen erweist sich der Perfecto als einigermaßen pfeffrig. Dabei handelt es sich keinesfalls um eine Bombe, jedoch kann man die Noten auch nicht ignorieren. Sobald die Zigarre dann Betriebstemperatur hat, beginnt sie richtig zu arbeiten. Holz, Nuss, ein wenig  Süße und leichte Noten von Gras arbeiten mal stärker und mal schwächer. Im Hinblick auf den Rauch stimmt einerseits das Volumen, andererseits wird eine schöne Cremigkeit erreicht. Ab dem zweiten Drittel traten bei mir einige bittere Noten auf, was wahrscheinlich auch an meiner relativ schnellen Art zu rauchen liegt. Sobald man das gute Stück jedoch degasiert, stellt sich wieder ein ungetrübter Genuss ein.

Was den Abbrand angeht, habe ich nichts zu meckern. Er verläuft nicht immer absolut ringförmig, aber auch nicht so, dass eine Korrektur notwendig wäre. Ein Nachfeuern war nicht notwendig. Die Asche hielt sich einige Zentimeter und hatte auch danach noch eine ordentliche Stabilität.  

Fazit

      
Die Maria Mancini in diesem Format (und bisher ausschließlich) nutze ich häufig am Anfang oder am Ende eines ausgedehnten Zigarrenabends. Egal ob als „Starter“ oder als „Closer“, die Perfecto ist eine schöne Zigarre für beide Funktionen. Preislich bekommt man ein echtes Erlebnis für sein Geld, da bin ich in anderen Fällen schon wirklich enttäuscht worden.

Hier merkt man, eine Zigarre zu bekommen, bei der viel Liebe ins Detail geflossen ist. Mittlerweile legte ich mir zwei oder drei davon jederzeit in meinen Humidor, es sind einfach Zigarren für jede Lebenslage. In diesem Zusammenhang kann man also von einer Empfehlung sprechen.


Wertung: 8/10    

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