Cigars of the week: Oliva Series V | Double Toro


Das Problem an einem geräumigen Humidor? Manchmal verliert man den Überblick. Es ist doch so: Immer, wenn ich bei einem Zigarrenhändler bin, kaufe ich ein paar Stumpen ein. Die meisten davon rauche ich zeitnah, doch bei dieser Flut kann es durchaus vorkommen, dass Zigarren eingelagert werden und ich sie erst Monate später bewusst wieder auf dem Schirm habe. So auch mit der heutigen Zigarre. Gekauft habe ich sie im Herbst des letzten Jahres und erst vor ein paar Tagen fiel mir das relativ große Ringmaß wieder ins Auge.

Und wo ich das gute Stück einmal in der Hand hatte, konnte ich es auch gleich rauchen.


Kerndaten

Hersteller: Oliva
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: Double Toro
Einlage: Nicaragua
Rauchdauer: 90 Min
Preis: 10,50 € / Stk  (Stand Juli 2017) 


Grundlegendes

Oliva ist kein unbekannter Name im Hinblick auf Zigarren. Die Familie ist seit Genrationen im Anbau von Tabak heimisch und sich spätestens in den 1990er Jahren einen Namen gemacht. In den USA erfreuen sich die Stücke des Herstellers einer besonderen Beliebtheit und haben mehr als einmal Preise eingefahren. 

Das besondere an der Series V? Es handelt sich um Puros. Will sagen: Einlage, Umblatt und Deckblatt stammen allesamt aus Nicaragua. In den heutigen Zeiten, wo die Herkunftsländer (und dann auch die dortigen Anbauregionen) mit einander vermischt werden, um einen besonderen Blend zu kreieren, ist das eine angenehme Abwechslung. Die Artist Line von Dannemann macht es beispielsweise ähnlich, wobei die Besonderheit dort am Brasil-Tabak liegt. 

Praxistest   

Optisch handelt es sich um eine sehr schon anzusehende Zigarre mit einem respektablen 60er Ringmaß. Das Deckblatt ist ölig und seiden, die Verarbeitung so, wie man es von einem Hersteller mit Tradition und Erfahrung erwarten kann. Was die Haptik angeht, liegt dieser Brecher schon anders zwischen den Fingern als eine einfache Robusto. Mit 6 Zoll Länge erreicht diese Zigarre aber die üblichen Abmessungen. Der Zigarrenring wirkte vom ersten Moment auf mich, vielleicht wegen des Farbspiels oder dem Einsatz des Goldtons - ich vermag es nicht genau zu sagen. Jedenfalls hatte er die richtige Größe, um an dem Format nicht zu groß oder zu klein zu wirken. 

Im Kaltgeruch konnte die Zigarre sogleich punkten, denn sofort stiegen mir die typischen Aromen der Nicaragua-Tabake in die Nase, die ich bekanntlich so mag. Ein bisschen Holz und Erde, eine ganze Menge Kaffee. Es lud förmlich dazu ein, das gute Stück anzuschneiden und den Trockenzug zu genießen. Die Aromen wirken kräftiger, sogleich lief mir bei den Nuancen von Schokolade und Süße das Wasser im Mund zusammen. Was den Zugwiderstand angeht, so war das vorliegende Exemplar absolut ordentlich verarbeitete, bei mir jedenfalls gab es ein optimales Ergebnis. 

Zeit, Flammen auf Tabak treffen zu lassen. Der nahm die Hitze gut an, der Aschering war sofort gleichmäßig. Manche Zigarren brauchen ja, bis ihre Aromen sich entfalten, die Oliva hingegen legt schon beim ersten Zug los und hinterlässt augenblicklich die erdige-kräftigen Noten Nicaraguas auf Zunge und Lippen. Der Rauch angenehm cremig, das Rauchvolumen dem Format angemessen. Die Double-Toro ist keine Nebelkerze, aber das muss sie auch nicht sein. Richtig umgehauen haben mich die Aromen, das Zusammenspiel erdiger Noten mit einer großen Portion Kaffee, einem Hauch von Schokolade und hin und wieder nussigen Aromen machten die Zigarre für mich zu einem echten Leckerbissen. Mir lief förmlich das Wasser im Munde zusammen - und es wurde von Zug zu Zug besser! Schön in diesem Zusammenhang, dass der Pfeffer frühestens im letzten Drittel der Zigarre auftaucht, wenn er es überhaupt tut. Bitterkeit sucht man vergeblich. 

Der Abbrand, den ich am Anfang als so gleichmäßig wahrgenommen hatte, verlor im zweiten Drittel etwas an Spannkraft. Es gab keine absoluten Aussetzer, alles rein optischer Natur und mit einem Feuerzeug einfach zu beheben. Negativ anzumerken habe ich jedoch, dass das gute Stück mir ebenfalls im zweiten Drittel einmal ausgegangen ist. Bei normalem Rauchverhalten sollte das eigentlich nicht passieren. 

Fazit

Die Oliva Series V ist eine schöne Zigarre. Mit einem Preis von knapp über zehn Euros liegt sie ein bisschen höher als vergleichbare Zigarren anderer Hersteller im selben Format, doch wer Nicaragua mag, der sollte bereit sein, über diesen kleinen makel hinwegzusehen. Dafür bekommt er eine schöne Zigarre, die eigentlich den gesamten Rauchverlauf zu gefallen weiß.

Jedenfalls würde ich sie mir wieder in den Humidor legen und diesmal werde ich sie sicher nicht wieder vergessen.

Wertung: 8/10       

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