Cigars of the week: The Leaf by Oscar Valladares | Maduro


Im letzten Jahr habe ich mir bereits eine der Boutique-Zigarren aus dieser Reihe vorgenommen: Die Connecticut. Und diese Zigarre habe ich damals mit einer anderen zusammen gekauft, nämlich der vorliegenden Maduro. Nachdem das gute Stück nun also einige Monate in meinem Humidor lag, habe ich mir heute die Zeit für einen Test genommen.

Die Connecticut schnitt damals wirklich gut ab - man darf also gespannt sein, ob sich die Maduro an diesem Ergebnis messen kann.


Kerndaten

Hersteller: Oscar Valladares
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: Toro
Einlage: ???
Rauchdauer: 70 Min
Preis: 11,90 € / Stk  (Stand Mai 2017)  AUSVERKAUFT


Grundlegendes

Bei der Masse an Neuerscheinungen / Neueinführungen muss eine Zigarre sich natürlich von ihren Mitbewerbern abheben. Sie muss hervorstechen, um auf dem offensichtlich umkämpften Markt zu bestehen. Es wundert daher nicht, dass der Anteil der Boutique-Zigarren in den letzten Jahren gefühlt gestiegen ist. Mit der The Leaf - Reihe wird genau dieser Weg beschritten. 

Oscar Valladeres? Muss man den Namen als Aficionado kennen? Es verwundert nicht, wenn man das bisher nicht getan hat. Denn die gleichnamige Manufaktur (beheimatet in Honduras) ist im Vergleich zu den anderen Traditionshäusern relativ klein. Es ist also nicht schlimm, wenn man den Namen bisher noch nicht gehört hat - aber man hat, soviel kann ich jetzt schon verraten, etwas verpasst.  

Aktuell scheinen die Zigarren im Abverkauf zu sein, Nachschub ist jedenfalls nicht mehr so einfach zu bekommen. Die hier getestete Maduro ist über cigarworld nicht mehr verfügbar und auch bei den anderen Zigarren der Reihe scheint sich ähnliches in naher Zukunft anzudeuten. Ob die Reihe wieder aufgelegt und importiert wird oder eben nicht, habe ich bisher nicht rausfinden können. 

Praxistest

Ich bleibe dabei: Es ist schon eine ziemlich coole Nummer, eine Zigarre in Tabakblättern zu verpacken. Ein echter Hingucker und haptisch ein meilenweiter Unterschied zum gewohnten Cellophan. Will sagen: Allein die verpackte Zigarre zu befühlen und zu halten, ist schon ein Erlebnis und ein wenig erinnert es an den Ü-Ei-Effekt. Man will eben wissen, was für eine Schönheit sich unter der Verpackung versteckt. Ich machte mich also daran, vorsichtig auszupacken - und wurde nicht enttäuscht. Die Maduro ist eine wunderschöne Zigarre, die ihrem Namen alle Ehre macht. ein sattes, dunkles, leicht öliges und kräftiges Deckblatt. Die Aderung ist fein, die Bauchbinde etwas krude, aber passend zum Gesamtpaket dieser Zigarre. Das Toroformat liegt gut in der Hand, für meinen Geschmack erscheint diese Zigarre optimal gerollt.  

Wenden wir uns den Aromen zu. Im Kaltgeruch besticht die Maduro durch eine untergründige Kraft, die einem schon das Wasser im munde zusammenlaufen lässt. Erde, Holz, Süße und Röstaromen sind dabei dominant. Der Trockenzug bestätigt diese Eindrucke und gibt schon einen Vorgeschmack, auf das, was kommt. Hinsichtlich der Zugwiderstands war ich positiv überrascht, denn der war für mich optimal. 

Die Flammen nahm die Boutique-Zigarre erstklassig an. Gleich mit dem ersten Zug zeigte sich, dass nicht nur die Verpackung ein Hingucker ist, die Zigarre ist eine echte Aroma-Bombe. Das erste Dutzend Züge war eine leicht pfeffrige Note zu erkennen, die löste sich aber schon bald in Wohlgefallen auf. Stattdessen kam alles zusammen, was man sich wünschen mag: Röstaromen und Schokolade, Süße, Cremigkeit, ein wenig Erde und Holz. Die Aromen dieser Zigarre schienen mir nahezu perfekt zusammengestellt, nicht einen Moment lang hatte ich den Eindruck, hier etwas "falsches" bzw. unpassendes auf der Zunge zu haben. Auch im Hinblick auf das Rauchvolumen wusste die Zigarre zu überzeugen. Sicher, es handelt sich nicht um eine Gurkha, trotzdem war ich angenehm erfreut. Schön war auch, dass die komplexen Aromen die gesamte Zeit über anhielten, ihre Anteile sich verschoben und die Zigarre damit niemals unspannend wurde.

Die Asche der Zigarre war angenehm fest, der Abbrand in weiten Teilen in Ordnung. Im zweiten Drittel hatte ich mit ein wenig Schiefbrand zu kämpfen, der aber schnell behoben war. Im letzten Drittel platzte mir das Deckblatt leicht auf, aber nicht so, dass die Zigarre damit unrauchbar geworden wäre. Ein Nachfeuern war nicht notwendig, die Maduro hat die Glut wunderbar gehalten. 

Fazit

Ich ärgere mich. Ich ärgere mich darüber, seinerzeit nicht zwei oder drei Zigarren mehr eingekauft zu haben. Denn die Maduro ist eine schöne Zigarre, die sich einen Platz in meinem Humidor redlich verdient hätte. Von kleinen Fehlern und Probleme abgesehen - sie haben mein Raucherlebnis weder gestört noch geschmälert - muss ich sagen, dass es sich hier um eine der schönsten Zigarren handelt, die ich in den letzten Wochen geraucht habe.

Im Hinblick auf den preis ist anzumerken, dass die Maduro in meinen Augen jeden Cent wert ist. ich halte sie nicht für überteuert. Wer also die Gelegenheit hat, noch einmal die Hand auf eine dieser Zigarren zu legen, der sollte zuschlagen!


Wertung: 9/10        



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