Cigars of the week: Gurkha Seduction | Robusto


Nachdem ich mich in den letzten Monaten durch fast alles probiert habe, was Alec Bradley auf dem deutschen Markt anbietet (und dabei viel Freude hatte!), ist nun ein anderer Hersteller in meine Aufmerksamkeit gerückt: Gurkha. Ich denke, die Zigarren aus diesem Hause sind es wert, allesamt getestet zu werden.

Nachdem ich vor wenigen Wochen mit der Spook den Anfang gemacht habe, werde ich mich heute der Seduction widmen. Schon deshalb eine besondere Zigarre, weil sie nicht mehr auf dem deutschen Markt verfügbar ist.

 

Kerndaten

Hersteller: Gurkha
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: Robusto 
Einlage: Kolumbien
Rauchdauer: 60 Min
Preis: 8,90 € / Stk  (Stand April 2017) | zuletzt 5,50 € / Stk | AUSVERKAUFT


Grundlegendes

Nach meinem Empfinden wirbt Gurkha mit zwei Dingen: Einerseits bezeichnet man sich als eines der ältesten Tabakhäuser der Welt und andererseits nimmt man für sich in Anspruch, die exklusivsten und damit teuersten Zigarren weltweit herzustellen. So weit ich das Überblicken kann, stimmen beide Aussagen.

Doch was die Seduction angeht, scheint man sich damit in Deutschland nicht so ganz durchsetzen zu können. Anders ist mir nicht verständlich, warum man sich vor einigen Monaten dafür entschied, die Zigarre vom deutschen markt zu nehmen. was folgte, war eine sagenhafte Rabattaktion seitens cigarworld von -40% auf die verfügbaren Bestände. Damals konnte ich nicht widerstehen und lagerte mit diese Zigarren entgegen aller Vernunft Kistenweise ein.

Praxistest

Optisch ist die Seduction ein Hingucker. Ein dunkles, öliges Deckblatt, eine makellose Verarbeitung und ein zweigeteilter Zigarrenring, der in seiner Farbgenung vielleicht nicht jedem gefällt, in meinen Augen aber sehr gut zur Zigarre passt. Auch haptisch ist die Seduction ein Erlebnis: Sie ist wunderbar fest gerollt und liegt dadurch gut in der Hand. 

Im Kaltgeruch zeigte sich, was für eine besondere Zigarre diese Robusto ist: Schon dringen süße und fruchtige Noten durch. Wie immer darf der Trockenzug nicht fehlen. Wie oben angegeben, sind für die Einlage Tabake aus Kolumbien verwendet worden, im Zusammenspiel mit Um- und Deckblatt wird dabei ein Aroma kreiert, das ich in dieser Form in den letzten Jahren nirgendwo anders gefunden habe.

Einmal angezündet verteilen sich die Aromen explosionsartig. Die Seduction hat einen süß-süffigen, vor allem aber sehr cremigen Rauch, der vom ersten Moment an wirkt. Noten von Frucht mischen sich in bemerkenswerter Intensität hinzu, im Verlauf der Zigarre gewinnt die Seduction nicht nur an Kraft (wobei sie aber niemals Bitterkeit oder Schärfe bekommt), die anderen Aromen entfalte sich dann langsam: Ein wenig Röstaromen, ein bisschen Leder und Holz. Die Süße bleibt die gesamte Zeit erhalten. Wie gut die Zigarre ist, merkt man daran, dass man das Bedürfnis hat, sie bis zu den Fingern zu rauchen. Ein Wort zum Rauchvolumen: Es handelt sich um eine Gurkha und die machen nach meiner Erfahrung alle unheimlichen Dampf. Die Seduction bekommt das in ähnlicher Stärke hin, ein üppiger, zu keinem Zeitpunkt störender Rauch. Wer sich diese Robusto im Inneren gönnt, dem Rate ich zu einem offenen Fenster...

Im Abbrand punktet diese Zigarre durch eine bemerkenswerte Gleichmäßigkeit, die Asche ist nicht nur angenehm fest und hält sich daher lange, sie ist beinahe schneeweiß und bildet im Verlauf der Seduction einen feinen Kontrast zum dunklen Deckblatt. Bei aktuell 20+ gerauchten Zigarren dieser Linie hatte ich nirgendwo ein Problem und musste auch niemals nachfeuern.

Fazit

Meine Begeisterung ist lesbar, oder? Die Seduction ist eine tolle Zigarre - für einen Anfänger nicht unbedingt zu empfehlen, würde ich sagen. Bei mir ist das so: Mit wehleidigem Blick in den Humidor frage ich mich immer, was mich dabei geritten hat, mir gleich drei Kisten dieser Zigarren zu sichern. Wenn ich sie dann angezündet habe und der Rauch sich ausbreitet, weiß ich sofort, was mich dazu getrieben hat. Und ich bin froh, dass mein Vorrat noch einige Zeit halten wird. 

Wertung: 9/10


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