Cigars of the Week: Zino Platinum Scepter | Grand Master

Eine Zino hatte ich bereits vor Monaten in diesem Blog getestet und war damals eigentlich recht zufrieden. jedenfalls so zufrieden, dass ich bereit war, mir auch andere Zigarren aus diesem Hause anzusehen.

Und so wanderte dann die Grand Master in meinen Humidor. Dort habe ich sie - das muss ich zu meiner Schande gestehen - irgendwie aus den Augen verloren, was nicht einmal eine böse Absicht war. nach mehreren Monaten fiel sie mir dann wieder in die Hände und ich entscheid mich, die Chance zu nutzen und die Zigarre einfach einmal zu probieren. Und sind wir mal ehrlich: Wer seine Zigarre Grand Master nennt, der legt die Latte schon sehr hoch...


Kerndaten

Hersteller: Zino / Oettinger
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: Short Grand Master (Robusto)
Einlage: Dominikanische Republik, Peru
Rauchdauer: 80 Min
Preis: 14,20 € / Stk  (Stand Mai 2017) AUSVERKAUFT


Grundlegendes

Als ich mir diese Zigarre ansteckte, war mir gar nicht klar, dass ich gerade im Begriff war, eine Rarität zu rauchen, denn die Grand Master gehört zu den vergriffenen Formaten dieser Zigarrenlinie. Aber keine Angst, die anderen Formate sind alle noch recht gut zu bekommen. 

Nach eigener Aussage versucht Zino mit diesen Zigarren ein eher junges Publikum anzusprechen. Hier geht es wohl auch um schlichte Eleganz, wobei ich mir persönlich nicht sicher bin, ob es der Linie nicht besser getan hätte, beim Logo der Classic-Reihe zu bleiben. Wie immer eine Geschmacksfrage. 

Immerhin hält die Serie sich seit 2003 relativ beständig auf dem Markt, was als Zeichen dafür genommen werden kann, dass die Strategie irgendwie aufging. Ob die Zigarre nun die jüngeren oder die älteren Aficionados erreicht scheint dabei nicht wichtig, sie konnte sich behaupten un scheint sich einer gewissen Beliebtheit zu erfreuen. 

Praxistest

Zino versteht sich als Hersteller von Premiumzigarren und die Nähe zu den Kreationen aus dem Hause Davidoff macht deutlich, welche Maßstab angelegt wird. Mit einem hellen, fein-strukturiertem Deckblatt und einem relativ schlichten (wobei mir eben jener der Classic-Linie besser gefallen hat) Zigarrenring entsteht tatsächlich eine beinah zeitlose Eleganz. Dabei weiß die Grand Master nicht nur optisch, sondern auch haptisch zu überzeugen. Sie liegt gut in der Hand, scheint weder zu locker noch zu straff gerollt. 

Der Kaltgeruch der Zigarre war in erster Linie geprägt von einem holzigen Aroma, untergründig deutete sich ein wenig Süße an. Trotz ordentlicher Lagerung hatte ich auch einige muffige Noten in der Nase. Im Trockenzug wurden diese muffigen Noten glücklicherweise weitestgehend verdrängt, sogleich machte sich eine spürbare Cremigkeit breit, die aber von etwas begleitet wurde, das ich noch nicht genau einschätzen konnte. Der Zugwiderstand der angebohrten Zigarre war genau so, wie ich ihn bei dem aufgerufenen Preis erwarte: optimal. 

Einmal angefeuert bescherte die Grand Master mir die holzigen Aromen, die ich schon zu Beginn ausgemacht hatte, wenn auch nicht in jener Stärke, die ich zuerst erwartet hatte. Der Rauch war angenehm süßlich (ohne zu schwer zu wirken) und einigermaßen cremig. Auch mit dem Rauchvolumen dieser Zigarre kann man zufrieden sein, wenngleich es bessere Vertreter gibt. Im Verlauf der Grand Master entwickeln sich ihre Aromen: Neben einigen Zügen mit einer leicht schokoladigen Note gab es auch andere, in denen fruchtige Aromen kurzzeitig vorhanden waren. Immer noch kämpfte ich aber mit jenem Aroma, dass ich bereits im Trockenzug erschmeckt hatte. Nach mehrmaligen Versuchen wurde klar, was mich irritierte: Es war ein Hauch von Säure. Der fügte sich zwar irgendwie in das Gesamtbild der Zigarre ein, erschien mir aber trotzdem als unpassender Ausreißer. 

Im Hinblick auf die Flammabnahme und den Abbrand weiß ich nichts Schlechtes zu berichten. die Grand Master musste ich nicht ein einziges Mal korrigieren, die Asche war relativ stabil. 

Fazit

Bei der Grand Master handelt es sich keinesfalls um eine schlechte Zigarre, es ist nur eben so eine, die mich nicht zu begeistern wusste. Ziehe ich dann den Preis ins Verhältnis, dann muss ich gestehen, dass es dort draußen für das gleiche Geld Zigarren gibt, die mir weitaus besser gefallen. Und vielleicht geht es nicht nur mir so, vielleicht ist das der Grund, warum diese Vitola mittlerweile ausverkauft ist. 

Diesmal also keine Empfehlung, selbst wenn sie noch verfügbar wäre, würde ich sie mir nicht noch einmal in den Humidor legen.  

Wertung: 6/10

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