Writing: Die Preissaison hat begonnen


Eigentlich hatte ich im letzten Jahr bereits etwas zu meiner Einstellung über Leserpreise geschrieben. Und im Grunde hat sich daran auch nichts geändert.

Nur ist es gerade so, dass der DPP in die erste Runde gegangen ist. Wenn man also in der schreibenden Zunft auch nur ein wenig untereinander vernetzt ist, dann kann man sich diesem Ereignis im Moment kaum entziehen. Will sagen: Sobald ich meine Timeline bei fb öffne, spülen mir nicht ein oder zwei Meldungen über den DPP herein, es sind gleich mehrere.

Wobei es streng genommen ja keine einfachen Meldungen sind, sondern eben jene Aufrufe, die ich auch schon im oben verlinkten Blogbeitrag aus dem November so bemängelte. Denn da es sich  beim DPP um einen Publikumspreis handelt, geht es natürlich darum, möglichst viele Stimmen auf sich zu vereinigen. Natürlich funktioniert das nur, wenn man die Werbetrommel kräftig rührt und das auf allen Kanälen.

Und so ergibt sich eben das Bild, das ich oben bereits angerissen habe: Die Timeline wird mit den unterschiedlichsten Aufrufen geflutet. Ich gönne jedem Kollegen seine Nominierung und den dazugehörigen Nervenkitzel von ganzem Herzen (wobei eine Nominierung am Ende ja nur bedeutet, sich selber vorzuschlagen) - aber mir fällt diesmal halt besonders auf, was mich eigentlich an Publikumspreisen stört.

Es geht am Ende nämlich nicht um Talent und auch nur bedingt um Inhalt. Entscheidend ist nur die Frage, wie viele Leute ich zur Abstimmung bewegen kann. Vielleicht mag nun der eine oder andere zu dem Schluss kommen, dass mir das Prinzip doch eigentlich vertraut sein sollte, immerhin bewege ich mich (daraus mache ich ja kein Geheimnis) auch in der Politik. Und im Wahlkampf läuft es ähnlich: Am Ende trägt jener den Sieg davon, der die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte. Wobei es dabei in den meisten Fällen (und ich will hier nicht über Politikverdrossenheit oder den Unwillen, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen und trotzdem das Kreuz zu machen sprechen) ja doch irgendwie um Inhalte geht, viel öfter aber eben auch um Sympathie. insofern ist der Vergleich in meinen Augen statthaft.

Und von diesem Punkt ausgehend ist mir dann heute aufgefallen, was mich - neben den bereits im November angesprochenen und immer noch gültigen Kritikpunkten -  eigentlich ganz besonders stört.

Platt gesprochen: Ich schreibe hier Bücher. Wenn ich Bock auf Wahlkampf habe, dann mache ich Politik. Vielleicht ist das bei mir ein spezieller Fall, weil eben beide Bereiche aufgrund von Engagement und Interesse so nah beieinander liegen. Möglicherweise stelle ich mich auch einfach nur an und der reine Stimmfang gehört eben irgendwie zum Schreiben dazu.

Denkbar ist das alles. Nur hat sich mein Endruck gefestigt: Ein Publikumspreis ist nice to have. Nicht mehr und nicht weniger. Mir hingegen geht es in erster Linie darum, zu schreiben.Alles andere kommt von selbst oder eben nicht. Wenn nicht, ist das auch nicht schlimm.    

Kommentare

  1. Ich kann Ihre Meinung vollkommen nachvollziehen. Ich finde solche Preise generell etwas sinnfrei. Wie soll man sich denn als aufstrebender Autor gegen Autoren wie M. Heitz oder Eschbach durchsetzen, die eine viel größere Fanbase haben? Da muss man kein Hellseher sein, um zu wissen, dass die namhaften Autoren von den Großverlagen vordere Plätze belegen werden. Es freut mich allerdings, dass der Papierverzierer zwei Autoren auf der Liste hat. Wenn Sie auf der Liste vertreten wären, hätte ich für Sie abgestimmt. Vom Talent her hätten Sie eine Nominierung verdient. Wenn Sie in ein paar Jahren bei einem Großverlag sind, werden Sie bestimmt den DPP ordentlich aufmischen. Einen RPC Award haben Sie ja schon.

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    1. Ich danke für die Blumen :). Mal sehen, wie es in einigen Jahren sein wird.

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