Writing: Die Sache mit der Überarbeitung


Es bleibt ja nicht aus: Romane und Geschichten zu erzählen, ist nicht nur kreative Schreibarbeit - früher oder später steht die Überarbeitung ins Haus. Ich bin ganz ehrlich, wenn ich sage, dass diese Aufgaben nicht gerade zu meinen Favoriten zählen. Es ist eben so: Ich schreibe lieber Geschichten, als diese tausendfach zu überarbeiten.

Aber wie man es auch dreht und wendet: Keine Geschichte ist nach dem first draft perfekt (bestentfalls nahe dran, aber so vermessen sollte eigentlich kein Autor sein - besser machen kann man Dinge immer). Und Überarbeitung tut eigentlich auch keinem weh, ist hilfreich und dazu geeignet, echte Ecken und Kanten auszumerzen. Die Dinge, die einem beim Schreiben cool vorkamen, es aber bei genauerem Hinsehen nicht sind. Oder die Fehler, die man in jedem Fall ausgemerzt haben will, bevor ein Text das Licht der Öffentlichkeit erblickt.

Die Grundregel ist übrigens ganz einfach: Mit der Überarbeitung eines Textes kannst du nicht in dem Moment beginnen, da du ihn fertig hast. Oder anders: Ich kann es nicht und würde es niemandem empfehlen. Texte sollten "ausdampfen", einige Tage (oder Wochen oder Monate) liegen, bevor sie in die Überarbeitung gehen. Abstand zu dem, was man geschrieben hat, tut gut vor allem um mit klarem Blick an die eigenen Zeilen zu gehen. Abstand tut gut, um sich von einigen seiner eigenen Ergüsse auch trennen zu können. Weil sich der Vergleich anbietet: Es ist wie mit einer Zigarre. Ich kann aus dem besten Tabak eben auch keine schöne Zigarre machen, wenn ich den Blättern nicht die notwendige Zeit gebe und das Endprodukt heranreifen lasse.

Als Autor sollte man eines übrigens ganz deutlich haben: Humor. Denn wenn man ließt, was man in Schreibwut - oder auch mitten in der Nacht - so auf das Papier gebracht hat, dann kommt man ohne Humor nicht weiter. Manchmal sind es lediglich Buchstabendreher, manchmal sind es echte freudsche Versprecher - und manchmal fragte man sich, was man geraucht hat, als man der Meinung war, das diese oder jene Formulierung eine gute Idee war. Ehrlich: Es ist mir schon ein paar Mal passiert, dass ich während der Überarbeitung laut aufgelacht habe. Und das ist wohl ein gutes Zeichen, denn bekanntlich kommt man nicht weit, wenn man alles bierernst angeht.

Ratsam ist es übrigens auch, sich einen Stab aus vertrauenswürdigen Probelesern zuzulegen (Die NDA nicht vergessen). Das müssen nicht hunderte sein, es reicht schon einige schnelle und ehrliche Leser zu haben. Die weisen einen nämlich sher oft und sehr gut auf Dinge hin, die am Ende dann doch nicht so ankommen, wie man es sich erhofft hat. Und das wiederum erspart einem dann Arbeit, wenn es um das Lektorat geht.

Warum ich das hier und heute zippe? Weil ich mich gerade in der Endüberarbeitung von Trümmerwelten befinde. Und wie das so ist: Ich bin auch gut im prokastrinieren. Aber jetzt lege ich los. Versprochen.  

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