Cigars of the week: Nicarao Anno VI | Robusto


Nicaragua ist als Herkunftsland für Zigarren schon längst kein Geheimtipp mehr und gehört bekanntlich zu meinen absoluten Favoriten. kaum verwunderlich, dass es eigentlich keinen Einkauf gibt, bei dem ich nicht mit irgendeiner Zigarre aus dieser Region wiederkomme. Manchmal sind auch echte Klassiker dazwischen, die es bisher geschafft haben, unter meinem Radar zu bleiben. So war es dann auch mit der Nicarao.

Macht ja nichts, dem kann man ja Abhilfe schaffen. Also zugeschlagen, ein paar Tage eingelagert und ab dafür. Schauen wir, was die Zigarre so kann.


Kerndaten

Hersteller: Nicarao
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: Robusto
Einlage: Nicarao
Rauchdauer: 60 Min
Preis: 6,30 € / Stk  (Stand Dezember 2016) 

Grundlegendes

Eine Zigarre aus den Händen eines Belgiers, der als einer der wenigen nicht-gebürtigen Fachleute aus Mittelamerika gilt? Klingt schon mal spannend. Hinter Nicarao steckt der Belgier Didier Houvenaghel, der das Handwerk "von der Pieke auf" in Kuba lernte. Der gute Mann ist Agrarökonom, der in Kuba studierte und dabei eine ganze Menge Fachwissen aufsog wie ein Schwam. Was liegt dann also näher, als seine eigenen Zigarren zu kreieren, wenn man doch eh schon nah am Thema ist? Genau.

Nicarao hat damit den Anspruch, eine Zigarre für jeden Tag und jede Gelegenheit zu schaffen. Preislich scheint das gelungen. Doch wie sieht es mit dem Rest aus?

Praxistest

Mit einer Robusto, so habe ich mir einmal sagen lassen, kann man wenig falsch machen, wenn es darum geht, sich einen Eindruck von einer Zigarre zu machen. Daher war es also nahe liegend, bei den Nicarao genau in diesem Segment zuzuschlagen. Bekommen habe ich eine ordentlich verarbeitete Zigarre ohne Mängel.

Optisch und haptisch liefert Nicarao gute Qualität. Verarbeitungsfehler sind praktisch keine zu erkennen, das Deckblatt ist feinadrig und die Farbgebung so gleichmäßig, wie sie sein sollte. Es handelt sich um eine angenehm feste Zigarre, bei der genau der richtige Punkt getroffen zu sein scheint: Sie ist weder betonhart noch erinnert sie an Gummi (oder Schlimmeres).

Das Trockenaroma strahlte für mich genau jenen Hauch aus, den ich bisher glaube, bei allen Zigarren mit dieser Herkunft schätzen und lieben gelernt zu haben. Der Kaltzug - angebohrt habe ich diese Zigarre auf 7 mm - bestätigte meine Vermutung, ich hatte Aromen von Leder, Holz  und leichtem Kaffee auf der Zunge. Den Zugwiderstand hingegen habe ich nicht als optimal empfunden: Gleichwohl die Robusto ordentlich angebohrt war, war der Widerstand schwerer, als ich es erwartet hätte. Ein nachbessern mit dem Bohrer behob das, allerdings bin ich das bei diesem Format eigentlich nicht gewohnt.

Nach dem Anfeuern dauert es gar nicht lange, bis die Nicarao liefert. der Rauch hat genau jene cremige Konsistenz, die ich so mag, auch wenn es einige Vertreter aus Nicaragua gibt, die das besser können. Aromatisch bekam ich das, was sich bereits beim Kaltzug andeutete; Leder, Holz und Kaffee. Hinzu kamen noch Nuancen von Nuss und Röstaromen, diese bewegten sich aber eher im Hintergrund. Die gesamte Komposition ist damit sehr rund - und sie ist die gesamte Zigarre über eigentlich gleichbleibend. Und das wiederum mag unterschiedlich ankommen. Einige Aficionados werden die Robusto daher als eindimensionale Erfahrung beschreiben, andere wiederum werden genau mit dieser Verlässlichkeit sehr zufrieden sein.

Der Abbrand war - zumindest im ersten Drittel - nicht ganz optimal, aber das tut dem Rauchgenuss ja keinen Abbruch. Einen zerstörerischen Schiefbrand hatte ich jedenfalls nicht. Die Asche dieser Nicarao ist relativ hell und weißlich, in der Konsistenz merklich flockig. Ein nachfeuern war bei der normalem Rauchverhalten nicht notwendig.


Fazit

Was magst du bei Zigarren? Bist du freund einer mehrdimensionalen Erfahrung mit echten, aromatischen Offenbarungen und Veränderungen? Dann wird diese Zigarre dich aufgrund ihrer Gradlinigkeit eher enttäuschen. Bei der Nicarao bekommst du vom ersten bis zum letzten Moment eine gleichbleibende Erfahrung, ein zu Beginn spannendes und angenehmes Aroma, dass über die Zeit (je nach persönlichen Vorlieben) ermüden kann.

Es ist deshalb aber keine schlechte Zigarre. Qualitativ gibt es an diesem Produkt nichts einzuwenden, doch was Nicaragua angeht, so gibt es Zigarren, die besser dazu geeignet sind, einem einen Einblick in die Geschmacksvielfalt des Landes zu geben. Einen Platz in meinem Humidor konnten diese Zigarren aufgrund besserer Alternativen nicht erobern.

Wertung: 6/10

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