Writing: Schlaf? Schlaf wird überbewertet!

Das Schreiben ist Teil meines Lebens geworden. Nur kann ich damit mein Leben nicht bezahlen.

Dies ist wahrscheinlich ein Umstand, der auf die meisten Autoren zutrifft. Der Markt ist umkämpft und die Einkünfte aus der kreativen Arbeit reichen meist nur für ein (manchmal auch respektables) Taschengeld aus. Gerade in Deutschland scheint es schwer, allein vom schreiberischen Handwerk leben zu können. Das führt zwangsläufig dazu, dass die meisten Autoren einen "echten" Beruf  - einen Brot&Butter-Job haben.



Und wie das so ist: Ein B&B-Job kostet Zeit. Sechs, acht, manchmalauch zehn und mehr Stunden, die man aus dem Haus ist. Und wenn man dann nach Haus kommt, wenn man dafür gesorgt hat, dass die ganzen Rechnungen bezahlt und die Brötchen auf dem Tisch sind, dann gibt es ja noch Dinge wie den eigenen haushalt, soziale Verpflichtungen und anderweitige Dinge, die eben zwangsläufig Zeit beanspruchen. Zeitist jedoch-das haben wir alle irgendwann gelernt - eine begrenzte Ressource. Der tag hat nun einmal nur 24 Stunden, also eigentlich viel zu wenig Zeit für all die Dinge, die wir einerseits machen müssen und andererseits wollen.

Das Problem liegt auf der Hand: Schreiben kostet Zeit. Am besten täglich, so denn man eine Entwicklung sehen  und gesetzte Ziele auch irgendwann erreichbar haben will. In der Praxis bedeutet das, dass das Schreiben eigentlich ein paar Stunden am Tag in Anspruch nehmen sollte. Bei mir sind es konsequent zwei Stunden, öfter sogar die doppelte Menge. Und da man eben nicht an anderen Stellen knappsen kann, beginnt man, über das eigene Schlafbedürfnis nachzudenken.

Will man tatsächlich einen kontinuierlichen Output haben, kommt man um diese Gedanken gar nicht herum. Einem wird klar, dass man sehr wohl einen Roman schreiben kann, wenn man nur alle paar Tage dran geht - nur dauert es dann eben auch viel länger, bis das Ding im Kasten, das letzte Wort zu Papier gebracht wird. Die Arbeit an sich wird dadurch mitunter zäh und man tendiert womöglich dazu, die Brocken einfach zu schmeißen. Und das ist ja eigentlich nicht das, was man will.

Automatisch ist man dann irgendwann an dem Punkt, an dem man zu experimentieren beginnt. Wie viel Schlaf brauche ich wirklich? Ist es möglich, das eigene Schlafpensum zu Gunsten der Schreiberei zu kürzen? Und das, ohne das andere Bereiche in nennenswerte Mitleidenschaft gezogen werden. Das ist mitunter ein harter Prozess, aber die Quintessenz ist einfach: Solange ich meinen B&B-Job brauche, um über die Runden zu kommen, darf meine Leistung dort nicht durch das Schreiben beeinträchtigt werden.

Und so landet man dann irgendwann an jenem Punkt, an dem man eben statt sieben nur noch fünf Stunden in der Nacht schläft. Weil einem das Schreiben wichtig geworden ist, weil man es mit irgendeinem Ziel tut. Möglicherweise gibt es deshalb Tage, an denen man sich gerädert fühlt und sich deutlich fragte, warum eigentlich. Denn bis der Durchbruch kommt, bis man tatsächlich nennenswert am Handwerk verdient, kann viel Zeit vergehen und viel Wasser den Rhein hinab laufen. In schlechteren Phasen fragt man sich dann, warum man sich das antut. Im Grunde ist es ja Raubbau am eigenen Körper, denn es ist ohne Frage eher ungesund, auf Dauer mit nur vier Stunden Schlaf pro Nacht auszukommen.

Letztlich ist es aber mit allen Dingen im Leben so. Wir kommen zur Welt, wachsen auf und irgendwann sterben wir. Daran gibt es nichts zu rütteln. Unsere Aufgabe ist es dann wohl, die Zeit dazwischen so zu gestalten, dass sie uns gefällt. Und was soll ich sagen? Mir gefällt das Schreiben. Ich will das machen - wenn möglich bis in den letzten Moment. Und dafür opfere ich gerne ein paar Stunden Schlaf.  

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