Writing: Vom Segen der modernen Zeiten


Um eine Sache kommst du als Autor nicht herum: Früher oder später wird der Moment kommen, an dem du eben nicht aus dem Stegreif schreiben kannst, an dem du nicht improvisieren kannst. jener Augenblick, an dem du bemerkst, dass du mit deinem Wissen am Ende bist und nicht drumherum kommst, zu recherchieren.

Je nachdem, in welchem Genre du schreibst, kann der Aufwand unterschiedlich ausfallen - wobei es sicher auch wichtig ist, mit welchem Detailgrad du Dinge beschreiben willst. Aber machen wir uns nichts vor: Ab dem Moment, da du über Dinge schreibst, mit denen du in deinem echten Leben nicht viel zu tun hast, hilft es, sich zu informieren. Und da die meisten Autoren (glücklicherweise) selten mit den Dingen zu tun haben, über die sie da schreiben, gehört Recherche eben dazu.


Im Gegensatz zu den Generationen an Schreibern vor uns haben die heutigen Autoren einen enormen Vorteil. Die Recherche ist - abgesehen von einigen Randthemen - sehr einfach geworden. Denn, und das mag einige Leute verwundern, das Internet bietet mehr als Katzenbilder und Pornos.

Im Ernst: Wenn ich früher etwas über dieses oder jenes Thema wissen wollte, dann begann die Rennerei. Manchmal konnte man wohl sehr gut Profis zu dem Thema befragen, meistens ging es aber in Bibliotheken. Dort wälzte man dann diesen oder jenen Schinken, machte sich Notizen, nahm das nächste Nachschlagewerk zur Hand. Mit der Zeit sammelten sich die Quellen dann auch in der heimischen Bibliothek: Viele Regalmeter voller Nachschlagewerke zu diesem oder jenem Thema.

Und heute? Heute ist es einfacher geworden. Denn es gibt das Internet. Egal, wie abstrus das Thema auch sein mag, in 99% aller Fälle kann ich davon ausgehen, dass irgendwer auf der Welt sich schon einmal Gedanken dazu gemacht hat und dieser dann im Netz gelandet ist. Man muss ihn nur finden. Davon ab sind zahlreiche Nachschlagewerke mittlerweile digitalisiert, was die Arbeit noch einmal einfacher macht.

Natürlich kann man jetzt sagen, dass das Internet auch seine Tücken hat. Die Grundlage im Umgang mit Quellen bleibt die gleiche, denn gegenprüfen muss man immer noch. Vielleicht sogar etwas mehr als früher, denn immerhin kann im Internet letztlich jeder zu jedem Thema etwas niederschreiben, Fachkompetenz hin oder her. Wobei das auch nicht anders als früher ist, denn ich wette, auch in zahlreichen Quellen, die man in Buchform recherchieren kann, steht nicht immer der Weisheit letzter Schluss.

Ich jedenfalls genieße das sehr. Wen ich für einen Buch etwas zum Aufbau mittelalterlicher Heere wissen will; zur Ausrüstung eines Legionärs; zu einer bestimmten Waffe oder Waffengattung; wenn ich etwas über die Stärken und Schwächen beschusshemmender Westen wissen will oder einfach nur, welche Distanz zwischen Punkt A und Punkt B liegt: Ich brauche wenige Minuten und eine stabile Internetverbindung, dann bin ich versorgt. Und das ist doch sehr komfortabel, oder?

Es gibt natürlich einen Grund für diesen Artikel. Aktuell schreibe ich gerade einen Roman, der in New York spielt. Nun war ich selber noch nie in New York - merke aber wie einfach es heute ist, sich ein Bild der Region zu machen. Nicht mittels Reiseführern oder Zeitzeugen, sondern einfach mittels Google Maps. Nie war es einfacher, herauszufinden, welche Distanz zwischen Punkt A und B liegt, wie lange man bei normalem Verkehr für eine solche Strecke brauchen würde und welche Points of Interest vielleicht auf der Strecke liegen. Dank Street View kann ich diese Strecken sogar virtuell bereisen (wenngleich auch auf mehr oder minder veraltetem Material) und ein noch besseres Gefühl bekommen.

Und das mag ich. Die modernen Zeiten haben eben auch ihre Vorteile.  

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