Writing: Gedankenexplosion

Wie geht das eigentlich mit einer Geschichte? Wie ist die Arbeit? Und welche Arbeitsschritte sind in welcher Reihenfolge einzuhalten?

Diese und andere Fragen bekommt man oft zu hören, wenn man einen mehr oder minder großen Teil seines Lebens mit dem Schreiben verbringt. Für die meisten Leute, die sich nicht vorstellen können, zu schreiben, geht es hier um böhmische Dörfer. Sie fragen eben nach den Abläufen, fragen, was alles zu beachten ist. viel spannender finde ich jedoch immer eine andere Fragestellung und in fast allen Unterhaltung ist sie mir irgendwann über die Füße gefallen: "Wie kommst du eigentlich zu deinen Ideen?" 

Dabei handelt es sich um eine Frage, die wohl niemals ultimativ für jeden Autor dort draußen zu beantworten ist. Oder vielleicht doch. Denn oftmals ertappt man sich dabei, eine solche Frage schlicht mit Inspiration beantworten zu wollen. Aber diese Antwort ist schlicht unbefriedigend - einerseits für den Leser, andererseits aber auch für einen selbst. Warum fällt es denn manchmal so schwer, die Motive und Kernpunkte unserer Arbeit in Worte zu fassen?

Vielleicht, weil Inspiration eine sehr individuelle Angelegenheit ist. Weil man sie eben nicht steuern kann. Klar, man kann in Handlungen fallen, die einem möglicherweise dabei helfen, die Gedanken zu beflügeln, aber eine Garantie ist das nicht. Inspiration kommt einfach. Manchmal in den Momenten, in denen du darauf vorbereitet bist, viel öfter aber in Augenblicken, in denen du nicht damit gerechnet hast. Will sagen: Da verlässt man das Haus, um vielleicht einzukaufen, hört auf dem Weg Musik, Nachrichten oder geht einfach mit offenen Augen durch die Welt - und irgendwo entzündet sich dann ein Funke. Man hat etwas wahrgenommen, dass der initiale Impuls einer neuen Geschichte war.

Plötzlich ist dann nur noch Chaos in deinem Kopf. Es ist, als wäre ein Damm gebrochen, die Ideen ergießen sich wie eine wahre Flut, du hast Namen im Ohr, Szenen, Orte, die due beschreiben und einbringen willst. Möglicherweise geht deine Fantasie mit dir durch und du lässt dich einige Zeit nur treiben, schaust, wohin sich die Gedanken bewegen können. Die große Herausforderung ist dann, Ordnung in das Chaos aus Ideen zu bringen, zu systematisieren - und am Ende zum Schluss zu kommen, ob eine solche Geschichte wirklich spannend ist. War es eine Schnapsidee oder ist sie es wirklich wert, ausgearbeitet zu werden? Die Entscheidung dazu triffst du oftmals binnen Sekunden.

Eine wahre Gedankenexplosion. Eine großartige Erfahrung und mitunter einer der Gründe, warum es so schön ist, dem Schreiben nachzugehen. Dieser initiale Momente, der Augenblick, in der deine Kreativität Loopings schlägt und beinahe Amok läuft. Wenn alles gut läuft, weißt du, dass der erste und wichtige Schritt gegangen ist. Wenn du sogar in der Lage warst, die Ergebnisse dieser Gedankenexplosion zu ordnen und zu strukturieren, dann werden die nächsten Schritte einfacher. Du musst eben nur noch schreiben.

Das Problem ist jedoch: Manchmal lässt eine solche Explosion auf sich warten. Nicht stundenlang. Sondern mitunter tage- oder wochenlang. Das ist möglicherweise die schwerste Zeit des Schreibens. Denn du hast zwar eine Idee, weißt in etwa, was wichtig ist, kennst einige Schauplätze - aber du bist eben noch nicht in der Lage, das alles gut miteinander zu verknüpfen. Dann geht das Schreiben nur schwer von der Hand, dann schaffst du anstatt einiger tausend vielleicht nur einige hundert Wörter am Tag. Dies sind die Zeitspannen, in denen man überkritisch zu sich selbst ist und sich fragt, ob man nicht alles hinschmeißen soll. Wichtig ist, dann Sitzfleisch und Durchhaltevermögen zu zeigen.

Denn eins ist sicher: Die nächste Gedankenexplosion kommt bestimmt.
Und dann sollte man vorbereitet sein.

   

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