Cigars of the week: Solera Aging Room Sun Grown | Festivo


Bekanntlich habe ich ja so meine Probleme mit Zigarren aus der Dominikanischen Republik. Bisher habe ich einfach keine finden können, die mich wirklich vom Hocker gehauen hat, im Vergleich zu Nicaragua empfand ich Zigarren aus diesem Teil der Welt eher blass, schwächlich und zuweilen muffig.

Dennoch bin ich der Letzte, der sich schnell ein Urteil bildet. Also schaute ich bei einem meiner Händler vorbei, berichtete ihm von meinem Problem - und ließ mir die Solera Aging Room empfehlen. Ob dieser Smoke es schaffen kann, mich von der Dominikanischen Republik zu überzeugen? Ich war gespannt.






Grundlegendes


Praxistest

Optisch und haptisch kommt die Festivo gut daher. Die Farbwahl des Zigarrenrings (und die darauf vorhandenen goldenen Akzente) sind gut gewählt. sie machen die Zigarre jedenfalls zu einem Hingucker und damit ist der erste Schritt bekanntlich schon getan. Der zweigliedrige Zigarrenring (groß und klein) umhüllt einen Smoke, der ohne Fehler und Makel daher kommt. Die Verarbeitung ist erstklassig und damit genau so, wie man es bei dieser Preisklasse erwarten sollte. Feine Strukturen zeichnen das Deckblatt aus, die gesamte Zigarre ist auffallend fest gerollt. Vorsicht ist bei der Entfernung des großen Zigarrenrings geboten: In meinem Fall funktionierte das zwar einfach und ohne Schäden, man sollte es dennoch nicht auf die leichte Schulter nehmen. Am besten ein paar Züge, dann sorgt die Hitze dafür, dass sich der Ring gefahrlos öffnen lässt. Das Format lag gut in der Hand, gleichwohl es für mich nach den großen Formaten, die ich im Moment bevorzuge, eine Umstellung war.

Das Trockenaroma der Festivo war unspektakulär und wenig markant, beim Trockenzug entdeckte ich dann erste Noten Nuss und Gras, die in ihrere Komposition schon schmackhaft waren. Der Zugwiderstand war angenehm, zu Beginn vielleicht etwas schwergängig, doch das löste sich bald in Wohlgefallen auf.

Angezündet war das dann so eine Sache mit der Festivo. Die ersten Züge hinterließen bis auf recht cremigen Rauch wenig Eindrücke, doch so ab dem zehnten Zug zeigte die Zigarre, was sie konnte. Gras und Heu waren sehr markant aber keinesfalls unangenehm, entwickelten innerhalb des ersten Drittels jedoch eine Schwere, die für mich ungewohnt war. Ab dem zweiten Drittel dann legt die Festivo wirklich zu. Einerseits tauchen Aromen von Nuss auf, andererseits mischt sich untergründig dann auch Pfeffer hinzu. Der Rauch behält seine cremige Konsistenz dankenswerterweise über die gesamte Länge bei.

Im Abbrand muss sich die Aging Room nicht verstecken. Er ist keinesfalls nadelscharf aber auch meilenweit vom Schiefbrand entfernt. Die Asche ist auffallend flockig, locker und brüchig. Nachfeuern musste ich die Festivo jedenfalls nicht, sie hielt eisern bis zum letzten Zug durch und produzierte dabei valide Mengen dichten Qualms.  

Fazit

Ich bin zwiegespalten: Während der ersten Züge war ich der Meinung, schon wieder einen Reinfall erleben zu müssen, dann aber bewies die Festivo, dass sie etwas kann und stimmte mich wieder versöhnlich. Dennoch muss ich sagen, dass ich mir etwas mehr von einer Zigarre in dieser Preisklasse erwartet hätte. Sie ist leicht bis mild, die Aromen bleiben keinesfalls lange auf der Zunge. Es handelt sich in meinen Augen um einen Hingucker, den man sich in den Humidor legen kann, aber eben nicht muss.

Mich zumindest konnte diese Aging Room davon überzeugen, weiterhin auch immer mal wieder eine Zigarre aus der Dominikanischen Republik zu probieren. Permanent in den Humidor würde ich sie mir keinesfalls legen, dafür beliebt sie einfach viel zu wenig im Gedächtnis. Wie immer: Für den Preis, der in diesem Fall aufgerufen wird, gibt es andere und subjektiv bessere Zigarren.  


Wertung: 5/10

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