Cigars of the week: CAIN Sun Grown | Double Toro 660


Was Zigarrenformate angeht, ist das bei mir so eine Sache. Wenn ich unterwegs bin, bevorzuge ich die kleineren Formate bis hin zur Robusto, wenn ich schreibe, sind die größeren Formate meine Freunde. Man hat einfach länger etwas davon, ganz abgesehen davon, dass Zigarren mit großem Ringmaß recht imposant wirken.

Auf der Suche nach einer Zigarre für die Abende vor der Tatstatur stieß ich also auf die Double Toro 660 von Cain. Angezogen von dem dunklen Maduro-Deckblatt griff ich zu. Ob es sich gelohnt hat?



Kerndaten

Hersteller: CAIN (Olivia)
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: Double Toro 660
Einlage: Nicaragua
Rauchdauer: 120 Min
Preis: 9,60 € / Stk  (Stand November 2016) 

Grundlegendes
Die Double Toro 660 avanciert schon durch drei Besonderheiten zu einem Hingucker. Da wäre einerseits das große Format (über 15 cm Länge), dann das Ringmaß (60 bei einem Durchmesser von 2,34 cm) und nicht zuletzt das dunkle Maduro-Deckblatt, dass beinahe bis in den bereich Oscuro reicht. Als mir dann noch klar wurde, dass diese Zigarre aus Nicaragua stammte, war meine Entscheidung eindeutig: Ich musste zugreifen. 

Die Sun Grown-Linie zeichnet sich dadurch aus, dass die verwendeten Tabakblätter die obersten der Tabakpflanzen waren. Sie haben also - der Name lässt es vermuten - am meisten Sonne abbekommen und dadurch eine bemerkenswerte Stärke entwickelt. Der Großteil einer Zigarre dieser Serie besteht aus solchen Ligero-Blättern, und die wiederum sind für die Würze verantwortlich. Kann eine  Zigarre, die zu über 80% aus eben jenem Blättern gefertigt wurde wirklich schmecken?  

Praxistest
Die Würze der Ligero-Blätter merkt man der Double Toro 660 sofort an. Oder besser: Man riecht sie. Als Freund nicaraguanischer Zigarren war ich vom Trockenaroma dieser Zigarre sogleich positiv überrascht. Prägnant war das starke Aroma von Kaffee, welches sich mit dem von Erde und Leder zu einer spannenden Mischung verband. Der Trockenzug war leider nicht ganz optimal. Selbst nach einer Vergrößerung des Bohrlochs war der Zugwiderstand immer noch etwas zu kräftig für meinen Geschmack. In der Verarbeitung kommt die Cain eher etwas urtümlicher daher. Das Deckblatt weist markante Strukturen auf, die der Zigarre natürlich bei der Charakterbildung helfen. Wer jedoch ein haptisches Erlebnis wie beispielsweise bei Kreationen aus dem Hause Oettinger/Davidoff  erwartet, der wird enttäuscht. Trotz des optischen wie haptischen Eindrucks handelt es sich um eine qualitativ einwandfreie Zigarre. Mir persönlich kam sie auch recht hart vor.    

Nach dem Anzünden entfaltete sich das Aroma der Double Toro 660 fast augenblicklich. Sofort merkte ich den Unterschied, der durch die Verwendung von so viel Ligero-Blättern zustande kam. Diese Zigarre hatte Würze und legte sich sogleich dominant auf die Zunge. Ein wenig vermisste ich die für mich sonst so normale Cremigkeit der Zigarren aus Nicaragua. Wobei das nicht falsch zu verstehen ist. Die Creme war da, allerdings nicht in dem Maß, wie ich sie erwartet hatte. Kaffee und Röstaromen waren von Anfang an dominant und blieben es eigentlich auch über die gesamte Zigarrenlänge hinweg. nach dem ersten Drittel war eine angenehme Süße zu schmecken, die jedoch nach der ersten Hälfte der Zigarre durch Pfeffer ersetzt wurde.

Ich hatte durch Ligero-Tabak ein härteres, stärkeres Raucherlebnis erwartet, dem war jedoch nicht so. Will sagen: Die Double Toro 660 ist schon eine kräftige Zigarre, aber es gibt eindeutig kräftigere Vertreter.

Im Abbrand gelang mir mit dieser Zigarre ein nahezu perfekter Ring (siehe obiges Bild), die Asche hielt sich lange und war von guter Konsistenz. Ein nachfeuern war einmal, im zweiten Drittel der Zigarre notwendig.   
  

Fazit

Ein echter Hingucker ist sie ja, die Cain. Und auch geschmacklich muss sich diese Zigarre nicht verstecken. Jedoch kommt es im Grunde zu kaum einer Aromaentwicklung, der Geschmack vom ersten Zugs bleibt bis zum letzten Zug quasi gleich. Bei diesem Preis darf die Zigarre auch gerne ein bisschen weniger geradlinig sein.

Über die Rauchdauer hinweg hat mich die Cain jedoch gut unterhalten. man weiß eben vom ersten Moment an, was einen erwartet und erlebt auch keine bösen Überraschungen. Mit knapp zwei Stunden ist die Rauchdauer in einem angemessenen Preis/Leistungsverhältnis. Der Nachgeschmack hält sich noch einige Zeit im Mund ist aber niemals wirklich störend oder unangenehm.

Ob man diese Zigarre empfehlen kann? Jedem Aficionado, der für Nicaragua schwärmt, würde ich raten, einmal eine Cain zu probieren. Sie bekommen keinen festen Stammplatz in meinem Humidor, jedoch würde ich mir dann und wann wieder eine dieser Zigarren mitnehmen.    


Wertung: 7/10

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