Cigars: Schneider oder Bohrer?

Von oben nach unten:
Bohrer, 7mm | Doppelklingenschneider | Einfachklingenschneider
Jedem, der über die Massenware, die an Tankstellen oder Supermärkten verfügbar ist, herausgekommen ist, fällt auf: Die Zigarre an sich muss erst noch vorbereitet ("rauchbar") gemacht werden, bevor es mit dem Genuss losgehen kann.


Die meisten handgemachten Zigarren (TAM - Totalmente a mano) müssen am Kopf erst angeschnitten oder angebohrt werden. Für den völlig unbeleckten Zigarrenfreund ist das mitunter tatsächliche eine Überraschung auf die sie beim Einkauf nicht hingewiesen wurden. Der fehlende Hinweis ist übrigens nicht zwangsläufig das Zeichen einer schlechten Beratung: Wer auf den Mund gefallen ist und nicht kommuniziert, dass er ein Neuling ist, der muss sich nicht wundern, wenn der jeweilige Verkäufer nicht extra darauf hinweist.

Wie auch immer. Manche Leute kommen dann zu der Einsicht, es so zu machen, wie sie es in irgendwelchen Filmen gesehen haben und den Kopf der Zigarre einfach an- oder abzubeißen (Das A-Team lässt grüßen). Bitte! Denkt nicht einmal darüber nach! Im schlimmsten Fall ruiniert man damit die gesamte Zigarre - und selbst Bestenfalls ruiniert man sich die Erfahrung. Beides ist nicht wünschenswert. Bei fehlen des geeigneten Werkzeugs kann als Notbehelf zu einem scharfen Messer oder einer Schere gegriffen werden. Aber auch das ist in meinen Augen eigentlich zu vermeiden, die Gefahr, mindestens das Umblatt der Zigarre (vielleicht auch das Deckblatt) zu ruinieren, ist einfach sehr sehr groß.

Viel besser sind die richtigen Hilfswerkzeuge. Im Grunde gibt es vier Möglichkeiten:


Cutter

Den Cutter ("Zigarrenschneider") gibt es in zwei Ausführungen. Einmal mit einfacher Klinge und eben mit doppelter Klinge. Die einfache Variante ist bei den meisten Zigarrenhändlern entweder kostenlos (als Werbegeschenk) oder für kleines Geld zu bekommen.

Cutter mit einfacher Klinge haben einen bauartbedingten Nachteil. Die Klinge kann noch so scharf sein, sie arbeitet nur auf einer Seite, die Zigarre wird während des Schneidvorgangs also gegen eine Kante gedrückt. Ist man dabei nicht besonders vorsichtig (aber selbst dann kann es passieren), hat man schnell ein gebrochenes Deck- oder Umblatt.

Cutter mit Doppelklinge sind dann schon eine andere Sache. Das Ergebnis ist viel besser, vorausgesetzt, die Klingen sind optimal geschärft. Auch hier ist mitunter ein bisschen Fingerspitzengefühl gefragt, damit keine größeren Schäden am Rauchwerk entstehen.

Generell ist zu sagen, dass der Umgang mit den Cuttern immer etwas Übung voraussetzt. gerade am Anfang kann es passieren, dass man mit ihnen mehr abschneidet, als eigentlich gut ist. Die Faustformel hierbei ist übrigens, dass der Schnitt im Optimalfall 3/4 vom Durchmesser der Zigarre ausmachen sollte.


Zigarrenschere 

Der Vorteil an diesem Werkzeug ist deutlich, den Umgang mit der Schere haben die meisten Aficionados schon drauf. Es handelt sich eben um ein Werkzeug, dass man auf anderen gebieten nahezu täglich einsetzt. Die Handhabung muss im Grunde also nicht besonder trainiert werden.

Das Prinzip ist das gleiche wie bei Doppelklingencutter, insofern müssen hier auch die gleichen Bedenken und Hinweise zählen.  

V-Cutter

Dieser Schneider setzt auf etwas verändertes Prinzip. Mit diesem Werkzeug schneidet man eine V-förmige Kerbe in den Kopf der Zigarre. Zahlreiche der "vorgeschnittenen" Zigarren (meist Produkte aus maschineller Herstellung) werden damit versehen und sind somit bei Auslieferung rauchfertig. Der geübte Aficionado kann einen solchen Schneider aber natürlich auch bei seinen normalen Zigarren einsetzen.

Ich muss gestehen, dass ich bei dieser Technik über keinerlei Erfahrung verfüge. Im Einsatz gesehen habe ich diese Schneider zwar schon, sie selbst benutzt aber noch nicht. Subjektiv habe ich das Gefühl, das vor allem die amerikanischen Zigarrenraucher diese Technik benutzen, aber ich könnte mich auch irren.
   

Bohrer

Die letzte - und zugegeben von mir favorisierte - Variante wäre der Zigarrenbohrer. Im Grunde handelt es sich um eine Hohlklinge mit kreisrundem Profil, mit dem man ein Loch in den Kopf der Zigarre bohrt. Das Prinzip ist dem des Lochers, den die meisten auf dem Schreibtisch stehen haben nicht fremd. 
Zigarrenbohrer brauchen auch ein bisschen Übung, vor allem, weil es darum geht, sie mittig auf dem Kopf anzusetzen. Hier kann es Anfangs zu einigen Fehlern kommen, vor allem beim ausgeübten Druck sollte man eher vorsichtig vorgehen und nicht die Devise "Viel hilft viel!" walten lassen, denn allzu schnell kann es vorkommen, dass man Um- und Deckblatt beschädigt. Zigarrenbohrer kommen in unterschiedlichen "Kalibern" daher. Gemeint sind damit die Durchmesser der Rundklingen, üblich sind 7mm und 11mm aber auch andere Varianten sind denkbar. 

Für mich ist diese Varianate nicht nur die "sauberste", sondern auch die angenehmste, gleichwohl man gerade bei Zigarrenformaten mit großem Ringmaß den Bohrer gleich einige Male ansetzen muss, um ein Loch geeigneter Größe zu schaffen. Erwähnt werden muss auch, dass sich bei traditionellen Longfiltern Tabsaksäfte und Fettsäuren um die Öffnung sammeln können, was den Geschmack beeinflussen kann. 


Fazit

Welches Werkzeug man nutzt, ist letztlich eine Frage der Überzeugung. Jede Entscheidung und Empfehlung in diesem Bereich ist rein subjektiv und geprägt durch die eigenen Vorlieben. Unschwer zu erkennen, tendiere ich zum Bohrer, aber es wird da draußen genügend Aficionados geben, die eine ganz andere Meinung haben. macht ja nichts, handelt es sich hier ja nicht um eine Bibel, oder?  

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