Cigars of the week: Davidoff Winston Churchill | Robusto


In der Vergangenheit konnte Davidoff mich eher nicht überzeugen. Dank eines Samplers habe ich vier Zigarren der namenhaften Marke ja schon eine Chance gegeben (Grand Cru, Millenium Blend, Puro D'Oro, Special) und war nicht überzeugt. Wie in den Vorstellungen nachzulesen, hielt ich die Zigarren nicht für gut, für überteuert und den überragenden Ruf der Marke für völlig aufgebauscht.

Dennoch war ich gewillt, Davidoff nicht als Ganzes abzuschreiben. Als nun also die beste Lounge der Welt Zigarren aus dem Hause Davidoff in ihr Portfolio aufnahm, ergab es sich, dass mir die Zigarren des Labels Winston Churchill in die Hände fielen. Tatsächlich bin ich ein stiller Fan der Ikone (auch wenn ich mir bewusst ist, wie umstritten der Mann ist) und nutzte die Gelegenheit, um die Zigarren zu rauchen und letztlich auch hier zu testen.

Was kann man also von Zigarren erwarten, für die die zigarrenrauchende Ikone des 20. Jahrhunderts Pate stand?

Kerndaten

Hersteller: Davidoff
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: The Statesman (Robusto)
Einlage:  Dominikanische Republik,  Nicaragua
Rauchdauer: 80 Min
Preis: 17,30 € / Stk  (Stand September 2017) 

Grundlegendes

Während Gurkha die tatsächlich teuersten Zigarren der Welt in seinem Portfolio hat, fehlt der stetig wachsenden Marke das Prestige, über das Davidoff verfügt. Das lässt sich an einem ganz einfachen beispiel beweisen: Wenn jemand, der keine Ahnung von Zigarren hat einen Zigarrenladen betritt um eine Zigarre als Geschenk zu kaufen, dann fragt er nach Davidoff oder Cohiba. Beide Marken haben es geschafft, auch in den Kreisen der Nichtraucher zu einem begriff zu werden. bei Gurkha ist das (noch?) nicht so. 

Ob dieser Ruf verdient ist oder nicht, sollen andere entscheiden (und ich bin mir sicher, dass diese Frage auch Ausgangspunkt zahlreicher und langer Diskussionen war), sicher ist aber, dass die Marke sich einen Nimbus aufgebaut hat, von dem sie noch heute umweht wird. ich kenne eigentlich keine andere Marke, der derartig der Hauch des Besondern und Exklusiven anhaftet, wie Davidoff. Und natürlich lässt man sich diesen Ruf gut bezahlen: Dem herkömmlichen Aficionado treiben die Preise, die für die Produkte aus dem Hause Davidoff aufgerufen werden in Regelmäßigkeit die Tränen in die Augen. Ob eine Zigarre die Summen auch immer objektiv wert ist, ist natürlich schwer zu beurteilen, jeder legt andere Maßstäbe an.

Die vorliegende Zigarre jedenfalls hat schon eine kleine Geschichte. Unter dem Label Winston Churchill hat Davidoff bereits 2008 Zigarren lanciert, die aber 2014 aufgrund ihres bestenfalls mäßigen Anklangs wieder vom Markt genommen wurden. Nachfolger wurde jene Linie, um die es hier und heute geht. 

Im Hinblick auf die Formatvielfalt ist alles dabei: Vom Petit Panatella bis hin zur Toro werden insgesamt sechs Varianten bedient. Daher ist die preisliche Spannweite auch groß, die Petit Panatella schlägt mit knapp fünf Euro zu Buche, die Toro aber schon mit bemerkenswerten 21 Euro. Für die meisten Aficionados dürfte es damit eine Zigarre sein, die man eben nicht jeden tag raucht. Aber nach meinem Verständnis geht es Davidoff auch nicht darum "Tageszigarren" zu schaffen. 

Praxistest

Man kann viel über Davidoff sagen (und es müssen nicht immer die höchsten Töne sein), doch handwerklich gibt es an den Produkten nichts auszusetzen. Die Robusto präsentiert sich als echter Hingucker mit einem gleichmäßigen, seidigen Deckblatt. Der Zigarrenring ist in schlichtem Weiß gehalten, die Silhouette von Winston Churchill in Gold aufgebracht. Allein dadurch gelingt es, dem Produkt schon die notwendige Erhabenheit zu geben, um aus der Masse im Humidor hervorzustechen - und das ganz ohne aufdringliche Banderole. Mit einem Ringmaß von 52 hat man bei diesem Stückt spürbar etwas zwischen den Fingern, die Länge von 5 1/4 Zoll sorgt dafür, dass einem diese Zigarre gut zwischen den Fingern liegt.

Zeit für den Kaltgeruch und den Trockenzug. Während andere Vertreter aus dem Hause Davidoff mir vor dem Anzünden beinah nichtssagend vorkamen, ist es bei der Winston Churchill ganz anders - und wahrscheinlich hat die Einlagenmischung aus der Dominkanischen Republik und Nicaragua da ihren Anteil dran. Ich würde ja meinen, dass die Anteile nicaraguanischer Tabake höher ist, doch das ist letztlich nur eine Mutmaßung. Das Zusammenspiel aus Ecuador (Deckblatt), Mexiko (Umblatt) und eben der Dominikanischen und Nicaragua lassen die Zigarre würzig und komplex wirken. Allein der Kaltgeruch mit zuweilen kräftigen, erdigen Noten lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Nach dem Anschnitt zeigte sich, dass der Zugwiderstand perfekt war. Wie schon gesagt, handwerklich versteht man bei Davidoff, wie Zigarren gerollt werden müssen. Im Trockenzug schmeckte ich Holz und Nuss, ein wenig Süße gesellte sich ebenfalls dazu.  

Zeit für das Feuer. Die Flammabnahme war erstklassig, der Aschering vom ersten Zug an perfekt. Die Statesman macht eine Menge Rauch, eine Nebelkerze ist es jedoch nicht. Der Rauch ist jedoch weich und cremig. Wer Wucht bei dieser Zigarre erwartet, der sollte vielleicht zu anderen Stumpen greifen: Die Robusto ist eher mild. Aromatisch überraschte mich die Mischung aus Holz, Nuss und Röstaromen. Die Erde war während des Rauchens interessanterweise nicht so vordergründig, wie ich es erwartet hatte. Im Verlauf zeigte sich Süße, drängte sich aber niemals in den Vordergrund. Ab dem zweiten Drittel nimmt die Stärke dieser Zigarre ein wenig zu, wird aber nicht unangenehm. Ein bisschen Pfeffer kommt auch dazu, aber er passt sich gut in die vorhandenen Aromen ein. Ab dem letzten Drittel mischt sich - kaum verwunderlich - etwas Bitterkeit in den Rauch. Dennoch gelingt es der Zigarre, derartig lecker zu bleiben, dass man sie eigentlich bis zu den Fingern rauchen könnte.

Die Asche der Zigarre ist stabil und haltbar, die Glut verläuft gleichmäßig. Probleme mit dem Abbrand hatte ich keine - und auch ein nachfeuern war nicht notwendig.

Fazit

Was haben wir hier also? Eine schöne Zigarre mit einem auffällig hohen Preis. Vor einigen Jahren hätte ich solche Zigarren schon aus Prinzip nicht angerührt, denn der Preis war mir einfach viel zu hoch. Heute sehe ich das anders, denn mittlerweile habe ich meine Preisgrenze in kleinen Schritten nach oben geschoben und bereits Zigarren geraucht, die mit einem höheren Preis zu Buche schlugen. Die subjektive Frage bei einer Zigarre für über 17 Euro ist natürlich, ob das Erlebnis diesen Preis wert ist. 

Dies lässt sich nicht objektiv klären. ich will es mal so sagen: ich habe Zigarren in dieser Preisklasse geraucht, die merklich schlechter waren, ich habe teurere Zigarren geraucht, die nach meinem Empfinden einen gerechtfertigt höheren Preis hatten. In diesem Fall komme ich zu folgendem Schluss: Die Winston Churchill mag im Geldbeutel schmerzen, sie ist ihren Preis aber durchaus wert. Mit dieser Zigarre hat Davidoff es geschafft, mich nach vielen Jahren wieder von sich zu überzeugen. Und das soll schon was heißen. 

Wertung: 9/10

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