Cigars of the week: CAO Amazon Basin | 6 x 52



Hinter jeder Zigarre steckt eine Geschichte - und manche Geschichten sind besser als andere. So oder so ähnlich könnte man über die Amazon Basin sprechen. Denn im Mittelpunkt dieser Zigarren steckt ein einzigartiger Tabak.

Zu Beginn des Jahres hatte ich das Glück, eine der Zigarren probieren zu können und erfuhr, dass eine neue Charge geplant war. Und wie sollte es anders sein, es handelte sich um Limitadas. Mittlerweile habe ich mir angewöhnt bei Zigarren, die mir schmecken, dann auch gleich Nägel mit Köpfen zu machen und orderte, als es so weit war, gleich eine halbe Kiste. Warum? Das will ich euch in der heutigen Zigarrenvorstellung sagen.


Kerndaten

Hersteller: CAO
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: Toro
Einlage: Brasilien, Nicaragua
Rauchdauer: 120 Min
Preis: 12 € / Stk  (Stand August 2017) 


Grundlegendes

Was ist also so einzigartig an dieser Zigarre? Der Tabak wird nicht auf riesigen Feldern angebaut, wie sonst üblich, sondern auf Lichtungen mitten im tropischen Regenwald. Das Stichwort ist ökologischer Anbau. Ich habe mir erklären lassen, dass die Pflanzen auf Lichtungen gesetzt werden, unter ganz anderen Bedingungen als auf den Plantagen. Das beginnt schon damit, dass die Setzlinge in relativ großem Abstand zueinander stehen. und auch sonst: Normalerweise versucht man bei der Produktion ja ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen, was im Zusammenspiel aus Erde, Anbaugebiet, Sonne, Wetter und vielen anderen Faktoren besteht. Bei der Amazon Basin, so sagte man mir, ist es so: Wenn in einem Jahr auf der einen Lichtung angebaut wurde, kann man es im Jahr darauf vielleicht gar nicht mehr, da der Urwald die Lichtung mittlerweile verschlungen hat. Spannende Sache, wie ich fand.   

Wer das liest, dem wird klar, dass man mit dieser Art des Anbau unmöglich die Mengen erzielen kann, die man anderswo produziert. Die Erträge sind relativ klein und es wundert nicht, dass die Tabake zu Limitadas verarbeitet werden. Das Ergebnis - übrigens ist auch die Fermentation der Urwaldtabake eine andere als normal - kann sich jedenfalls sehen lassen. 

Praxistest

Die Amazon Basin wirkt ein wenig roh und urtümlich, aber das ist auch genau das Image, dass CAO erzielen will. Dabei handelt es sich um handwerklich erstklassige Zigarren, der Ersteindruck rührt aus ganz anderen Richtungen. Einerseits ist es die Kiste, die sich durch ihre Optik schon einmal von den lackierten Varianten anderer Hersteller abhebt, andererseits ist es natürlich die Zigarre selbst. Denn die Amazon Basin kommt relativ dunkel daher und verfügt statt eines Zigarrenrings aus einer umwickelten Kordel aus Tabak. Nach meinem Wissen ein Unikat und  damit ein echter Hingucker in jedem Humidor. Was die Haptik angeht, so handelt es sich um eine relativ fest gerollte Zigarre, die überaus gut in der Hand liegt. 

Lassen wir die ersten Gerüche auf uns wirken. Im Kaltgeruch kommt die Amazon Basin kräftig, erdig und würzig daher: Es sind Noten von Leder, Erde und Holz, die da in der Nase kitzeln. Eine urtümliche Mischung, die zum anschneiden einlädt. Im Trockenzug verstärkt sich dieser Eindruck, wobei dann auch Aromen von Kaffee, Schokolade und Röstung auftreten. Alles in allem schafft der Tabak es schon jetzt, relativ einzigartig zu wirken und am Gaumen anzuhaften. 

Fuchteln wir daher nicht länger mit der Zigarre herum sondern machen das, wofür sie eigentlich gedacht ist: Lassen wir sie das Feuer kosten. Die Flammabnahme funktioniert problemlos, vom ersten Zug an zeigt die Basin was sie kann. Dabei ist der Rauch nicht nur viel cremiger, als ich zuerst erwartet habe, er besticht auch durch eine Süße, die alles abrundet, sich aber niemals unangenehm in den Vordergrund drängelt. Im Rauchverlauf arbeiten vor allem die Röstaromen und der Kaffee besonders intensiv, ab dem zweiten Drittel gewinnt die Zigarre merklich an schwere, wird dabei aber nicht unangenehm. Erde und Leder stechen immer wieder Abschnittsweise hervor, erst zum Ende des letzten Drittels mischt sich eine leichte Bitterkeit samt Pfeffer hinzu. Alles in allem keine schlechte Mischung. 

Der Abbrand verläuft ordentlich, optische Korrekturen waren hin und wieder notwendig. Hinsichtlich des Zugwiderstands war ich zufrieden, wobei das erste Drittel etwas schwergängig war. Die Asche ist weißlich-hell und recht fest. Ein Nachfeuern war nicht nötig. 

Fazit 

Eine einzigartige Zigarre und ich bin froh, mir gleich eine halbe Kiste davon aufs Lager gelegt zu haben. Sie vermitteltet Exklusivität, ohne aufdringlich zu wirken und es ist ein Hochgenuss, alle paar Wochen nach einer zu greifen und sie zu genießen. Wer also die Chance hat, sich davon noch welche aufs Lager zu legen, der sollte zuschlagen, vor allem deswegen, weil lediglich im dreijährigen Rhythmus geerntet wird und es nun etwas dauert, bis es wieder Nachschub gibt. 

Ich war zufrieden, die Zigarre hat die in sie gesetzten Erwartungen teilweise übererfüllt. Preislich liegt das gute Stück über der kritischen Grenze (für den heimischen Aficionado) ist aber eigentlich jeden Cent wert.

Wertung: 8/10 

Kommentare