Cigars of the week: Viaje Circa 45 | No. 2


Ich hatte es an anderer Stelle schon einmal erwähnt: vor ein paar Wochen trudelte völlig unerwartet ein Päckchen bei mir ein, geschickt aus Düsseldorf. Ich war verwirrt, hatte ich doch gar nichts bei cigarworld bestellt. tatsächlich stellte sich heraus, dass man vier unterschiedliche Zigarren zum probieren in die Republik geschickt hatte - und mich eben auch auf der Liste hatte. Die hier vo einiger zeit vorgestellte Factory Overrun war die erste Zigarre aus der Lieferung, die ich mir mal vornahm.

Einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul und da ich mit den meisten der Zigarren nicht viel anfangen konnte, lagerte ich sie vorerst ein. Heute ergab sich dann die Gelegenheit, die zweite Zigarre aus der Sendung zu probieren.

Kerndaten

Hersteller: Viaje
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: No. 2
Einlage:  Dominikanische Republik
Rauchdauer: 60 Min
Preis: 10,20 € / Stk  (Stand Juli 2017) 


Grundlegendes

Bis zu dem Moment, da cigarworld mir das kleine Paket schickte, hatte ich von Viaje noch nichts gehört. Kaum verwunderlich, denn ich kennen niemanden, der mit jeder Zigarre gleich etwas anfangen bzw. sie zuordnen kann. Neugierig wie ich war, durchforstete ich also sogleich das Netz und fand zwei Informationen, die mich erstaunten. Einerseits der preis, denn ich hatte nicht damit gerechnet, dass Zigarren im Preissegment von 10 Euro wirklich verschenkt werden. Die andere Überraschung war die Herkunft der Einlage. Wieder einmal die Dominkanische Republik. 

Nun haben genügen Zigarren bewiesen, dass sie - obwohl sie aus der Dominikanischen Republik stammen - etwas können, aber wahrscheinlich ist es der erste Eindruck, der mich bei diesen Zigarren immer noch aufhorchen und zögern lässt. Denn mein erster Zusammenstoß mit Zigarren dieser Herkunft war bekanntlich nicht sonderlich gut. Ich versuche das natürlich immer aus dem Kopf zu schieben, kann mich aber nicht davor retten, von diesem Vorurteil eingeholt zu werden. 

Praxistest

Der Zigarrenring kommt schlicht daher, erinnerte mich aber frappierend an Kuba. Ich schätze, diese Assoziation war in gewisser Art und Weise gewollt, auch wenn die Zigarre sich im weiteren Verlauf als nicht mit Kuba vergleichbar herausstellte (was nicht wertend gemeint ist sondern lediglich eine Feststellung ist). Optisch war dieses Exemplar jedenfalls makellos, auch haptisch gab es nichts zu beklagen. Das Format lag gut in der Hand. 

Erstmalig zum Staunen brachte diese Zigarre mich beim Trockenzug und dem dem Kaltgeruch. Hier gab es eine ganze Menge Creme, Nuss und Süße, die drei Aromen harmonierten wunderbar miteinander und schufen eine Mischung, die ihresgleichen sucht. Der Zugwiderstand war für eine Zigarre mit diesem Ringmaß optimal. 

Die Flamme wurde gut angenommen, während der ersten drei oder vier Züge zeigte sich diese Zigarre von einer scharfen Seite, die ich so nicht erwartet hätte. Dann jedoch dreht sich das Aroma und besticht mit eben jenen Noten, die ich schon im Vorfeld erkannte. Im Hinblick auf die Rauchentwicklung ist das Ergebnis wirklich respektabel. Was mich aber besonders vom Hocker gehauen hat, war die Cremigkeit des Rauchs. ich habe ja schon einige Zigarren geraucht, jedoch ist das, was die Viaje dort zaubert, für mich bisher einzigartig. Hinsichtlich ihrer Cremigkeit (zusammen mit den anderen, gut aufeinander abgestimmten Aromen) sticht diese Zigarre aus der grauen Masse hervor. Ein so runden und vollmundigen Geschmack habe ich bisher nicht erlebt.  

Beim Abbrand musste ich das eine oder andere Mal nachhelfen. Vielleicht hatte ich mit diesem Exemplar einfach nur Pech, jedoch musste ich den Schiefbrand mehrfach korrigieren. Das Erlebnis an sich wurde dadurch nicht geschmälert. Ein Nachfeuern andererseits war bei diesem Stück nicht notwendig.   

Fazit

Wow. 
Drei Buchstaben, die meine Erfahrung mit dieser Zigarre sehr gut beschreiben. Hier handelt es sich um ein wirkliches feines Stück, bei dem ich jederzeit wieder zugreifen würde. Andererseits muss man natürlich den Preis der Zigarre in Betracht ziehen, denn unwillkürlich fragt man sich, ob eine Laubrolle ihr Geld wert ist. Die Viaje liegt jenseits der 10 Euro Schallmauer, dafür bekommt man aber eine feine Zigarre, die jeder einmal probiert haben sollte. 

Insofern eine echte Empfehlung! 


Wertung: 9/10

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