Cigars of the week: La Aurora Untamed | Robusto


Manchmal finde ich Zigarren in meinem Humidor, bei denen ich gar nicht mehr weiß, wie sie dorthin gelangt sind. Oftmals sind es Ergebnisse von Schnellkäufen - und so muss es auch mit dem heutigen Exemplar gewesen sein. So sehr ich auch versuche mich zu erinnern, die Untamed ist mir von niemandem empfohlen worden und gelesen habe ich bisher auch noch nichts darüber.

Mal sehen, ob sich das Einlagern gelohnt hat oder ob die Zigarre ein paar Monate Platz im Humidor verschwendet hat.


Kerndaten

Hersteller: La Aurora
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: Robusto 
Einlage: Dominikanische Republik, Nicaragua
Rauchdauer: 70 Min
Preis: 8,50 € / Stk  (Stand Juni 2017) 


Grundlegendes

La Aurora behauptet von sich selbst, die älteste Manufaktur in der Dominikanischen Republik zu sein. Ob das nun stimmt oder nicht, darüber sollen andere sich streiten. Wenn aber jemand eine Zigarre mit dem Namen "unatmed" - zu deutsch als "ungezähmt" - auf den Markt wirft, dann erwarte ich davon schon einiges. Die alte Weisheit besagt ja nicht umsonst nomen est omen.  

Zeitweise fühlte ich mich an den Weg erinnert, den Camacho seit seinem Aufkauf durch Davidoff beschritten hat: Ein Image, das vor allem jüngere (wobei diese Alterseinschätzung subjektiv ist) Raucher anziehen soll. Ob das hier wirklich funktioniert? Wer den Blog verfolgt, weiß, dass ich nicht der größte Freund von Camacho bin, aber wie immer versuche ich andererseits, auch möglichst vorurteilsfrei an die Sache zu gehen. 

Praxistest

Äußerlich fällt die Zigarre positiv durch ihr dunkles und kräftiges Deckblatt auf, der doppelte Zigarrenring geht dann aber wieder an meinem Geschmack vorbei. Wie ich weiter oben schon schrieb: Ich werde einfach den Eindruck nicht los, das man hier versucht, das Image der Camacho zu imitieren. Dort sagt es mir auch nicht (mehr) sonderlich zu, hinzu kommt, dass es hier nicht sonderlich gut gelungen scheint. Im Hinblick auf die Verarbeitung tut die Zigarre das, was ich für diesen Preis erwarte, sie ist makellos. In puncto Haptik liegt das gute Stück gut in der Hand.

Wenden wir uns dem Kaltgeruch zu. Die Untamed besticht mit Leder, Erde und Holz. Probleme hatte ich mit dem Trockenzug, denn der Zugwiderstand war viel stärker, als ich es eigentlich gewohnt war. Selbst eine Korrektur des Bohrlochs und ein nachträgliches Anschneiden machten es nicht besser. Möglicherweise habe ich eine Montagszigarre erwischt, das will ich gar nicht ausschließen. Bei den Eindrücken, die ich während des Trockenzugs aufschnappte, mischten sich auch noch Röst- Und Pfefferaromen hinzu. Wenn ich ehrlich bin, wusste ich überhaupt nicht, was mich erwarten würde, sobald die Zigarre einmal Feuer abbekam.

Das Anfeuern jedenfalls verlief nicht so rund, wie ich das erwartet habe. Die Robusto schien sich Anfangs etwas zu wehren, mit ein bisschen Arbeit jedoch  bekam ich einen ordentlichen Abbrand hin. Im Verlauf tendierte die Untamed aber immer wieder zu Schiefbrand, der korrigiert werden wollte. Wenigstens war ein nachfeuern nicht notwendig, wobei die Zigarre den gesamten Verlauf über recht schwergängig blieb.

Aromen? Die gab es auch. Und sie verwunderten mich. Denn anders als der Name erwarten lässt, kommt diese Zigarre zwar zum Anfang an recht stark um die Ecke, der Rauch ist aber nicht unbedingt beißend oder unangenehm. Im Rauchvolumen bekommt die Zigarre hingegen keine Bestnoten. Die Mischung der vorher bereits erschmeckten Aromen machte die Zigarre runder, als ich vermutet hatte. Der Rauch erwies sich als relativ cremig, die herben holzigen und erdigen Aromen dominierten und wurden etwa in der Hälfte durch Süße ergänzt. Am Ende dann legt diese Zigarre richtig zu, pünktlich ab dem letzten Drittel schlug Pfeffer in beachtlicher Stärke durch und sorgte dafür, dass ich den Stumpen schnell ablegte.

Fazit

Warum also habe ich mir diese Zigarre in den Humidor gelegt? Ich weiß es immer noch nicht. Die Untamed empfand ich als überaus schwergängig, Design und damit vertretenes Image waren nicht meins. Im Geschmack jedoch kann diese Zigarre punkten, wenn ich sie jedoch mit anderen Stumpen in dieser Preisklasse vergleiche, dann scheint sie mir zu teuer.

Noch einmal in den Humidor würde ich mir diese Zigarre keinesfalls legen. Es mag einige Aficionados geben, die mit diesem Stumpen arbeiten können. ich kann es nicht.


Wertung: 5/10      

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