Cigars of the week: Alec Bradley Post Embargo | Toro


Mit Schrecken musste ich feststellen, dass bei bisherigen Fülle an Bewertungen zu Alec Bradley eine Zigarre unter dem Radar geblieben ist: die Post Embargo. Das ist für vor allem deswegen spannend, weil es ursprünglich diese Zigarre war, die mich im Januar dazu bekräftigt hat, sich mal durch das Portfolio des Herstellers zu probieren.

Was für ein Glück also, dass ich davon noch Exemplare im Humidor hatte. Ich hole also nach, was ich bisher sträflich vernachlässigte.


Kerndaten

Hersteller: Alec Bradley
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: Toro 
Einlage: Honduras, Nicaragua
Rauchdauer: 90 Min
Preis: 8,30 € / Stk  (Stand Juni 2017) 


Grundlegendes

Was kann ich ich über AB sagen, was ich bisher noch nicht in den anderen Zigarrenbewertungen über dieses Haus geschrieben hätte? Die Post Embargo ist eine Reaktion des Herstellers auf die Annäherung zwischen den USA und Kuba. Bekanntlich lief es zwischen den beiden Ländern in der Vergangenheit nicht ganz so prächtig, um es einmal höflich zu sagen. Jedenfalls ist Kuba inmitten des kalten Kriegs mit einem Handelsembargo belegt worden, wovon natürlich auch die kubanischen Zigarren betroffen waren, die es nicht mehr auf den US Markt schafften. Möglicherweise befeuerte dieses Embargo auch den Aufstieg US-amerikanischer Zigarrenhersteller, aber diesen Zusammenhang sollen andere bewerten. 

Wer jedenfalls den Nachrichten der letzten Jahre etwas gefolgt ist, der hat mitbekommen, das die Länder sich wieder annähern. Und unter dem Eindruck dieser, bis vor kurzem noch undenkbaren, Entwicklung entstand eben die Post Embargo. 

Praxistest 

Bei der vorliegenden Zigarre handelt es sich um eine boxpressed, sie ist allein deshalb schon ein haptisches Erlebnis, das sich von "normalen" Zigarren unterscheidet. Optisch hervorzuheben ist der Zigarrenring, der, herstellertypisch, ein kleines Kunstwerk ist. Die Banderole zeigt die Flaggen der USA und Kuba. Für mich jedenfalls ein echter Hingucker - aber andererseits auch ziemlich große Fußstapfen, in die man da treten will.

Im Trockengeruch besticht die Zigarre mit Noten von Holz, Leder und Erde, kommt aber relativ dezent daher. Der Kaltzug wiederum (die Zigarre ist angeschnitten) kann hier andere Nuancen setzen und fügt Elemente aus Schokolade un Kaffee hinzu - wenn auch eher im minimalen Bereich. Der Zugwiderstand ist so, wie ich ihn von Zigarren aus diesem hause gewohnt bin: optimal.

Die Flammen wurden von der Toro gut angenommen, die Rauchentwicklung war angenehm und auch beim Rauchvolumen gibt es eigentlich nicht viel zu meckern. Die Post Embargo besticht mit einer runden aromatischen Mischung, in der die genannten Nuancen aus Holz, Leder und Erde perfekt mit Kaffee und Schokolade harmonieren, wobei die letztgenannten im Hintergrund bleiben. Anzumerken ist die Cremigkeit des Rauchs, der damit zu überzeugen weiß. Im Verlauf der Zigarre entwickelt sich eine schmeichelnde, niemals zu starke Süße. Pfeffer oder Bitterkeit sucht man bei dieser Zigarre vergeblich.

Im Hinblick auf den Abbrand hat diese Zigarre die "boxpressed-Krankheit". Alec Bradley macht tolle Zigarren, doch mit dem Abbrand dieses Formate bekommen sie es nicht ganz hin. Insofern hatte ich mit teils erheblichem Schiefbrand zu kämpfen, der immer wieder korrigiert werden wollte. Zu einer schlechten Zigarre wurde die Post Embargo dadurch nicht, aber ich habe auch schon gesehen, dass andere Hersteller es besser hinbekommen. Die Asche war relativ flockig und instabil, ein Nachfeuern war nicht notwendig.

 Fazit

Die Post Embargo würde ich mir immer wieder in den Humidor legen. Aktuell - das ändert sich ja mit der Tagesverfassung - gehört sie zu meinen Lieblingszigarren aus dem Hause AB. geschmacklich interessant und mit ein bisschen langwirkendem Eindruck, optisch und haptisch ein Genuss, im Abbrand nicht ganz unkompliziert. Ich jedenfalls habe die Post Embargo gerne im Humidor. 

Wertung: 8/10

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