Cigars of the week: Romeo y Julieta Churchills | Julieta No. 2


Wer ein Blick darauf wirft, welche Zigarren ich hier bisher unter die Lupe genommen habe, dem fällt schnell auf, dass ich um solche aus Cuba bisher irgendwie einen Bogen gemacht habe. Abgesehen von wenigen (und namenhaften) Ausnahmen, tendiere ich eher zu anderen Herkunftsländern.

Aber auch in meinem Humidor finden sich einige cubanische Zigarren und so habe ich das gute wetter einmal zum Anlass genommen, mir eine davon vorzunehmen. Es handelt sich um eine der klassischsten und wahrscheinlich berühmtesten Zigarren aus dem Portfolio von Romeo y Julieta.


Kerndaten

Hersteller: Romeo y Julieta
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: Short Julieta No. 2 (Churchill) 
Einlage: Cuba
Rauchdauer: 100 Mon
Preis: 15,30 € / Stk  (Stand April 2017) 

Grundlegedes

Bei Romeo y Julieta handelt es sich wohl um eine der Traditionsmarken von der karibischen Insel. Bereits 1850 gegründet, gehört sie zusammen mit Cohiba und Montecristo zu den drei größten Marken Cubas. 

Und beliebt scheint sie zu sein, denn tatsächlich gibt es eine Vielzahl von Formaten, mit denen das Traditionshaus um die Gunst der Aficionados auf der ganzen Welt wirbt. Mittlerweile kann man sagen, dass die Marke - eigentlich für den heimischen Markt gegründet - fast jedes Format im Angebot hat und sein Portfolio darüber hinaus immer wieder erweitert. Die wohl bekannteste Zigarre dieses Herstellers dürfte jedoch die Julietta No. 2 sein, besser bekannt als Churchill. Und so habe ich genau dieses Format vor einigen Monaten beim Händler meines Vertrauens eingekauft und war gespannt, ob der Ruf (und der Preis) verdient waren. 

Praxistest

Die lange Tradition der Zigarrenfabrikation sieht man den guten Stücken aus diesem Hause gleich an - alles andere hätte mich auch mehr als traurig gestimmt. Ein leicht öliges und dadurch wunderbar glänzendes Deckblatt macht die Zigarre zu einer Schönheit. Jedoch muss man auch anmerken, dass eben dieses Deckblatt grober wirkt, als bei Zigarren in dieser Preisklasse üblich. Wie bei den meisten Cubanern fällt der Zigarrenring eher dezent aus, man hat fast das Gefühl, diese Zigarren wollen einem vom ersten Moment an vermitteln, dass sie es gar nicht nötig haben, durch anderen Hingucker von sich zu überzeugen. Abgesehen davon war diese Zigarre griffig und nicht so stramm gerollt, wie ich es bisher bei anderen Exemplaren von der Insel gewohnt war.

Das Trockenaroma war für mich typisch cubanisch: Eine Mischung aus Erde, Holz und Nuss, die dezente Würze kündigte sich hierbei ebenfalls bereits an. Etwas Angst hatte ich nach dem anbohren der Zigarre, denn die Laubrollen aus Cuba sind ja dafür bekannt, nicht immer erstklassig zu ziehen. Offenbar hatte ich jedoch Glück, denn am Zugwiderstand gab es nichts auszusetzen. Der Kaltzug verstärkte meine ersten Eindrück, die Würze, die den Tabaken von der Karibikinsel zugesprochen wird, kam hierbei etwas stärker hervor.

Die Flammen jedenfalls hat die Churchill gut angenommen und die Aromen feuerten sofort. Geirrt habe ich mich nicht, in erster Line machten sich kräftige holzige und erdige Aromen bemerkbar. Im ersten Drittel ist die Würze bestenfalls untergründig (passt aber sehr zum Gesamtbild), ab dem zweiten Drittel nimmt sie dann spürbar zu, wird aber niemals scharf. Im dritten Drittel mischte sich eine für mich interessante Komponente hinzu, die einige Züge lang ein wenig an Salmiak erinnerte. Definitiv eine spannende Erfahrung!

Bemängeln möchte ich ausdrücklich die Zigarrenringe der Churchill, denn hier hat es jemand mit dem Klebstoff etwas zu gut gemeint. Die Ringe waren auch bei größerer Hitze in der Zigarre nicht zu öffnen und bei dem Versuch, sie dann über die Glut abzustreifen, ruinierte ich mir das Deckblatt. Gut, das war im letzten Drittel der Zigarre, ist aber gerade für Aficionados, die ihre Schätze fast bis zum Ende rauchen wollen, eher ärgerlich.

Auf der anderen Seite muss man den Abbrand der Zigarre loben, denn er war ausgesprochen gleichmäßig für ein Exemplar mit dieser Herkunft. Die Asche war relativ stabil und fest und so dunkel, wie man es von Cubanern gewohnt war. Ein Nachfeuern war über den gesamten verlauf nicht notwendig.

Fazit

Auch wenn ich kein ausgesprochener Freund cubanischer Zigarren bin, so handelt es sich hier um eine schöne Zigarre. Ob sie den aufgerufenen Preis wirklich wert ist, möge natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Ich jedenfalls fand es schön, sie einmal probieren zu können, werde sie mir zukünftig aber nicht noch einmal in den Humidor legen. Denn ich glaube, das können andere Cubaner besser - die Magnum 50 beispielsweise sagt mir mehr zu, als die Churchill von Romeo y Julieta und entsprechen fällt meine Wertung aus.

Um eine schlechte Zigarre handelt es sich keinesfalls, aber ich schätze, mir gefallen eben Zigarren aus anderen Herkunftsländern besser.


Wertung: 6/10  





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