Cigars of the week: Camacho Corojo | Toro


Man kann es drehen, wie man will: Die meisten Aficionados haben mittlerweile von Camacho gehört. Das liegt einerseits an der Werbung, andererseits am Logo und der Farbgebung der einzelnen Zigarrenreihen, die sich eben schnell ins Hirn einbrennen. Bisher testete ich auf diesem Blog die Connecticut und die Equador aus dem Hause Camacho, diesmal ist die Corojo dran.

Geworben wird bekanntlich mit dem Hashtag #boldanytime - ob das bei dieser Zigarre auch so ist? Wir werden es sehen...


Kerndaten

Hersteller: Camacho
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: Toro
Einlage: Honduras
Rauchdauer: 90 Min
Preis: 7,40€ / Stk  (Stand März 2017) 



Grundlegendes

Camacho fährt nicht nur mit einer Vielzahl von Reihen auf, die einzelnen Reihen weisen auch eine Formatvielfalt auf, die ins Staunen bringen kann. Hieran merkt man schon, wie sehr der Hersteller sich auf einen relativ breiten Markt stürzt und mit seinen Formaten eigentlichen jeden Aficiondo abholen will. Sicher handelt es sich dabei aber auch um ein Zeichen von Davidoff/Oettinger, denn seit 2009 gehört die Marke eben jenem Konzern. Ich schätze, man will hier eine Marke mit mittelpreisigen Segment etablieren bzw. hat das schon längst getan. Ob der Ankauf 2009 sich nachhaltig auf die Qualität der Zigarren ausgewirkt hat, kann ich übrigens nicht beurteilen, das war einfach zu weit vor meiner Zeit. 

Im Hinblick auf die Vielfalt jedenfalls wird man bei Camacho in allen Reihen fündig. Die hier getestete Corojo kommt in elf Varianten daher (wobei Figurado und Corna langsam abverkauft werden). Das ist schon eine ganz schöne Menge. 

Praxistest

Wer Camacho kauft, weiß, was er bekommt. Optisch und haptisch handelt es sich um einwandfrei verarbeitete Zigarren. Man merkt schnell, dass die guten Stücke in Massen gefertigt werden und es sich eben nicht um Boutique-Zigarren handelt: Einwandfreie Verarbeitung, die es schafft, das auch zwei Handwerksprodukte identisch zueinander sind. Im Hinblick auf die Rollung muss man sagen, dass die Corojo angenehm stramm ist, jedoch nicht zu fest gerollt wurde. Das Deckblatt ist kräftig, hätte für meinen Geschmack aber ruhig noch etwas öliger sein können. Verarbeitungsfehler habe ich keine entdecken können. 

Der Kaltgeruch der Zigarre besticht mit Noten von Holz und Leder, im Trockenzug mischte sich dann noch eine erdige Note hinzu. Das war nicht zwangsläufig das Aroma, welches ich aus Honduras gewohnt war.  Einmal angefeuert, liefert diese Zigarre sofort, noch während des ersten Zugs breiten die Geschmäcker sich relativ voluminös aus. 

Diese Toro hatte die Flammen gut aufgenommen und das im Vorfeld entdeckte Gemisch aus holzigen, erdigen und Ledernoten schlug voll durch. Binnen der ersten Züge gesellte sich untergründig etwas Pfeffer hinzu und sorgte für eine angenehme Mischung. Der Pfeffer nahm mit jedem Zug um einige Nuancen zu- Ich schätze, das muss man mögen. Im weiteren Verlauf gab es mindestens an zwei Stellen mal ein wenig Süße, manchmal auch sehr dezente Röst- Und Kaffeearomen, die ich aber von anderen Zigarren viel besser gewohnt bin. Ab dem Ende des zweiten, spätestens aber mit Beginn des dritten Drittels überwiegen die Pfefferanteile bei dieser Zigarre. Der Rauch hatte durchweg das richtige Volumen, die Cremigkeit war aber bestenfalls nur dezent vorhanden. 

Der Abbrand war nicht immer einwandfrei, die Camacho scheint zu Schiefbrand zu neigen. Die Asche war flockig und zuweilen instabil, die Glut wurde jedoch über die gesamte Rauchdauer gut gehalten. Das Korrigieren der Glut war für meinen Geschmack über Gebühr notwendig und trübte den Rauchgenuss letztlich sehr.  

Fazit

Camacho produziert keine schlechten Zigarren - aber es sind auch keine besonders spektakulären Produkte. Hier weiß man, was man bekommt und kann sich auf ein geradliniges Aroma ohne besonder Überraschungen einstellen. Wer es also einfach und direkt mag, der ist mit dieser Zigarre gut beraten. 

Mir hat das anfängliche Aroma zugesagt, die immer stärker werdenden Nuancen von Pfeffer schreckten mich im weiteren Verlauf jedoch ab. Das ist nicht das Aroma, das ich mir von einer Zigarre wünsche. Immerhin erreichte diese Zigarre nicht das Verhältnis der Beast. Das immerwährende Korrigieren des Abbrands war für mich ab einem bestimmten Zeitpunkt eher nervig als angenehm. 

Alles in allem: Schön, diese Zigarre mal probiert zu haben. Noch einmal würde ich sie mir jedoch nicht in den Humidor legen. 

Wertung: 5/10

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