Writing: Dead End


Schreibblockade? Kenne ich bisher nicht - jedenfalls nicht in der Form, wie andere Autoren es zuweilen berichten. Vielleicht liegt das auch einfach daran, dass mir bisher keine einheitliche Definition des Begriffes untergekommen ist. Jeder scheint ein bisschen etwas anderes darunter zu verstehen und wikipedia versucht sich zumindest daran, das Phänomen einzugrenzen.

Wenn ich mich daran halte, dann kenne ich eine Schreibblockade wirklich nicht, worüber ich sehr dankbar bin. Was ich aber kenne, sind "Dead Ends" - Sackgassen in die man sich geschrieben hat.

Das ich gerade jetzt ein solches Thema aufgreife, kommt natürlich nicht von ungefähr - denn bis Freitag etwa steckte ich in einer solchen Sackgasse. Jetzt, wo diese überwunden ist, dachte ich mir, dazu könnte ich mal ein paar Zeilen schreiben.

Manchmal läuft es so ab: Du denkst über Handlungen und Motive für deinen nächsten Roman nach, erschaffst und formst Charaktere und schiebst alles in der Planung hin und her. So entstehen die Grundpfeiler einer Geschichte, von der du überzeugt bist - denn ansonsten würdest du ja nicht anfangen zu schreiben. In aller Regel geht es dann auch gut los, schnell landen die ersten paar tausend Worte auf dem virtuellen Papier. Aber irgendwann verlierst du an Geschwindigkeit, kommst ins Straucheln und Stolpern.

Dir fällt auf, dass eine Geschichte in der Theorie zwar toll klingt, in der Praxis dann aber der größte Mist ist. Das ist nicht nur eine Frage des handwerklichen Könnens - manche Dinge sind eben nicht tauglich. Schnell merkst du, dass du dich in eine Sackgasse geschrieben hast. Die Geschichte bekommt nicht den Drall, den du dir gewünscht hast, du selbst bis schon beim Schreiben hochgradig unzufrieden.

Jetzt kann man unterschiedlich mit einer einer solchen Sackgasse umgehen. Ich kenne ein paar Autoren, die sich dann daran machen, das bisher Geschriebene solange umzubauen, bis es so ist, dass sie sich mit anfreunden können. Ich kenne Leute, die dann wieder an das Reißbrett gehen, alles über den Haufen schmeißen, neu (und vielleicht ganz anders) planen und dann irgendwann wieder loslegen - vielleicht, nachdem sie ein anderes Projekt vorgezogen haben. Und dann gibt es eben noch die Leute, die beim grundlegenden Aufbau bleiben (den Plot an sich also behalten), aber noch einmal bei Null anfangen und ihre Geschichte ganz neu aufsetzen.

Ich gehöre eindeutig zu den Varianten zwei und drei. Wenn ich wirklich unzufrieden mit einer Geschichte bin, dann kann ich daran soviel überarbeiten, wie ich will, das Endergebnis wird mir nicht zusagen. Warum also Zeit und Mühe verschwenden um etwas zu reparieren, mit dem ich mich am Ende nicht identifizieren kann? Ich sehe keinen Sinn darin und hatte bisher auch keinen Erfolg damit. Die anderen Herangehensweisen sagen mir dann schon mehr zu.

Und natürlich: Sicher ist es nervig, ein Manuskript nach 30, 50 oder 80 Seiten einfach zu schließen, in eine Ecke des Computers zu legen und noch mal neu zu beginnen. Natürlich wäre es viel cooler, das bereits nach den ersten Zeilen zu wissen. Aber so läuft es eben nicht. Es gibt Geschichten, die ich zwei oder drei Mal neu angesetzt habe, bevor sie so waren, dass sie mir gefallen haben. Einsamer Spitzenreiter ist ein Roman, der erst beim sechsten Anlauf so war, wie ich ihn haben wollte. Bis dahin waren pro Versuch durchschnittlich 50 Seiten geschrieben. Dies verstauben nun als Fragmente auf meiner Festplatte. Und es ist ganz nett, sich diese Stücke immer mal wieder als Beispiele vorzunehmen. Wenn man sich einliest versteht man recht schnell, was einen gestört hat - und kann es in Zukunft vermeiden.

Denn eins gewinnt man grundsätzlich bei einer Sackgasse: Erfahrung. Und die zahlt sich in den nächsten Projekten definitiv aus.  
 


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