Cigars of the week: Asylum Ogre | Super 11/18


Bekanntlich mag ich ja die Schlachtschiffe unter den Zigarren. Als Autor haben diese großen Dinger einfach ziemliche Vorteile. So ist es wenig verwunderlich, dass ich an den Machwerken von Asylum nicht vorbei kam, als ich im Herbst 2016 bei dem Händler meines Vertrauens stöberte.

Zweifarbiges Deckblatt, über 20 cm länge bei einem 70er Ringmaß (= 2,78 cm)? Das hört sich doch nach einer ganzen Menge Spaß an. Ob es wirklich so war?



Hersteller: El Aladino
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: Super 11/18
Einlage: Nicaragua
Rauchdauer: 180+ Min
Preis: 14,50 € / Stk  (Stand November 2016) 


Grundlegendes

Obwohl ich gar nicht wenig schreibe, entschied ich mich dafür, dieses Schlachtschiff erst einmal im Humidor zu belassen. Vielleicht hatte ich vor diesem Prügel einfach nur ein bisschen Respekt (auch wenn es sich dabei nicht um die fetteste Zigarre handelte, die ich im Humidor habe). Jedenfalls brauchte es seine Zeit, bis ich mich an dieses Stück wagte.

Geschadet hat das nicht, denn die Ogre ist einfach nur imposant und allein durch das doppelfarbige Deckblatt ein echter Hingucker in jedem Humidor. Wenig verwunderlich, dass Asylum dafür bekannt ist, sich auf derartig massive Zigarren verlegt zu haben und noch weniger verwunderlich, dass die Super 11 /18 noch nicht einmal das größte Format dieser Serie ist. Ich gebe zu, man muss schon etwas verrückt (oder sehr enthusiastisch) sein, um diesen Stumpen anzurühren. Um das zu erklären: Ich bin mit über zwei Metern relativ groß und habe auch entsprechend große Hände - und dennoch wusste ich partout nie so richtig, wie ich die Super 11 / 18 nun wirklich halten sollte...

Wir haben hier also eine Zigarre, die es geschafft hat, dass ich mir klein vorgekommen bin. Hut ab!

Praxistest

Die Ogre ist eine massive Zigarre, die gleichzeitig ein bisschen an einen Knüppel erinnert. Optisch imposant und durch das zweifarbige Deckblatt ein Hingucker, haptisch erhielt ich eine ungewohnt fest gerollte Zigarre. Die Verarbeitung war einwandfrei, der Zigarrenring stach nicht sonderlich hervor. Musste er aber auch nicht, denn die Zigarre sprach ja für sich. Wo wir gerade dabei sind: Auch wenn Asylum Totenköpfe auf den Zigarrenring drucken lässt ändert es wenig daran, dass dieser Ring nicht gerade wertig wirkt. Es wird eben lackiertes Papier verwendet - aber es ist auch gut möglich, dass nur ich das so empfinde.

Wie oben zu lesen, handelt es sich um eine Zigarre aus Nicaragua, sodass ich eine etwaige Vorstellung zu haben glaubte, was mich bei der Super 11 / 18 erwartete. Das Trockenaroma war nicht sonderlich aromatisch, aber bekanntlich hat das nichts zu bedeuten. Die Ogre benötigt übrigens einen doppelten Anschnitt, nämlich an Kopf und Fuß. Den Fuß bearbeitete ich mit dem Doppelklingencutter, am Kopf setzte ich den Bohrer drei Mal an und war der Meinung, so einen optimalen Zugwiderstand zu erhalten. Im Trockenzug schmeckte ich dann die für Nicaragua so typischen Aromen, wobei Heu, Gras und Leder überwogen. Das Anzünden war - wenig verwunderlich - etwas langwieriger als normal üblich.

Auf den ersten Zügen ist die Super 11 / 18 eher unspektakulär. Sie raucht halt und es braucht einen Moment, bis die Aromen sich entfalten. Apropos Rauch: ich hatte damit gerechnet, dass eine Zigarre dieser Größe mehr Rauch produziert, denn so war ich es ja gewohnt. Stattdessen schaffte die Ogre nur moderate Rauchwolken. Der Rauch hatte eine gewisse Cremigkeit, von Beginn an gab es aber auch eine pfeffrige Note. Diese verabschiedete sich noch während des ersten Drittels und es traten die Aromen auf, die man auch von anderen Zigarren mit der gleichen Herkunft gewohnt ist. Je weiter die Zigarre voran schritt, umso mehr mischte sich eine gewisse Schwere in den Rauch, ab dem letzten Drittel nahmen einerseits der Pfeffer und andererseits auch die Röstaromen zu.

Was man bei dieser Zigarre mitbringen sollte sind Zeit, Geduld und Durchhaltevermögen. Denn auch wenn ich lange Zigarren gewöhnt bin, überkam mich mit Beginn des ersten Drittels verstärkt der Drang, die Zigarre einfach bei Seite zu legen, weil ich das Gefühl hatte, gesättigt zu sein. Wer also keine drei Stunden Zeit hat, sollte die Finger von diesem Schlachtschiff lassen.

Die Ogre neigte immer wieder zum leichten Schiefbrand, das ließ sich aber einfach und unproblematisch beheben. Sicherlich geht es bei einem Geschoss wie dieser Zigarre auch nicht um nadelscharfen Abbrand, soviel ist klar. Die Asche war flockig und strukturiert und hatte eine ordentliche, graue Farbe. Ein Nachfeuern war mit Beginn des dritten Drittels notwendig.

Fazit

Was ein Schlachtschiff! jedem, der auf einen ausgedehnten Spaziergang geht und Nicaragua mag, dem empfehle ich diese durchaus milde Zigarre. Zumindest einmal. Dann aber ist auch schnell wieder gut.

Will sagen: Ich habe bei der Super 11 / 18 zugeschlagen, weil das Format mich einfach anlockte und weil es ein echter Hingucker war. nach einmaligem Rauchen würde ich aber bestimmt sagen, dass ich mir ein solches Schlachtschiff nicht noch einmal in den Humidor legen würde. Das Rauchen ist einfach sehr zeitintensiv und das Raucherlebnis ist - von leichten Nuancen abgesehen - eher eindimensional. Tatsächlich hätte ich von diesem Schlachtschiff mehr erwartet.


Wertung: 5/10

   

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