Cigars of the week: Alec Bradley The Lineage | Churchill Gigante 770


Immer dann, wenn es darum geht, für ein neues Projekt in die Tasten zu hauen, habe ich bekanntlich eine Vorliebe für große Formate. Man hat halt länger etwas davon und irgendwie hat die nebenher glimmende Zigarre eine beruhigende Wirkung beim Schreiben.

Kaum verwunderlich also, dass ich nicht an der Churchill Gigante 770 vorbei kam, als sie im Regal beim Händler des Vertrauens erblickte. Es handelt sich um einen ziemlichen Prügel, das Ringmaß ist mehr als nur beachtlich. Alle Voraussetzungen waren also erfüllt und ich griff zu. Ob es sich gelohnt hat? Ich verrate es euch.



Kerndaten

Hersteller: Alec Bradley
Herstellungsart: Totalmente a mano 
Format: Chrurchill Gigante 770
Einlage: Honduras, Nicaragua
Rauchdauer: 150+ Min
Preis: 9,50 € / Stk  (Stand Dezember 2016) 


Grundlegendes

1996 als die beiden Söhne der Familie Rubin - jener Familie hinter dem Traditionshaus - alt genug waren, um in den USA legal Zigarren zu rauchen, war das Geburtsjahr der The Lineage-Serie. Bei den beiden Söhnen von denen hier die Rede ist, handelt es sich übrigens um die Herren Alec und Bradley, womit dann gleich auch geklärt hätte, woher das Tabakhaus seinen Namen hat.

Die Serie aus dem Hause Alec Bradley trumpft heute, zwanzig Jahre später, mit einer Vielfalt aus sechs Formaten auf, wobei die Gordo aktuell schwer bis gar nicht zu bekommen ist. Das "größte" und "fetteste" Format der Serie ist jedenfalls die Churchill Gigante 770. Ich habe bereits andere Formate dieser Serie geraucht, halte das riesige Format aber für die gelungenste Kreation innerhalb von The Lineage. Die Einlage besteht aus einer Mischung von Tabaken aus Honduras und Nicaragua und ergibt eine eigentlich ganz angenehme Komposition.

Jetzt aber genug der Worte und hinein in den test. Schauen wir, was die Churchill Gigante 770 so kann.

Praxistest

Beginnen wir bei der Optik und Haptik: Mit einer Länge von sieben Zoll (17,78 cm) und einem Ringmaß von 70 (Durchmesser 2,78 cm) war die Churchill Gigante 770 lange Zeit das größte Schlachtschiff in meinem Humidor. Jedenfalls so lange, bis ich die Zigarren aus dem Hause Asylum entdeckte. Kurzum lässt sich sagen, dass The Lineage mit diesem Format ganz bewusst auffällt. haptisch ist es eine wunderschöne und fehlerfreie Zigarre, so wie man sie ganz allgemein aus dem Hause Alec Bradley gewohnt ist. Das Deckblatt weist feine Strukturen auf, im Hinblick auf die festigkeit erscheinen mir die Zigarren als optimal.

Bei einem so großen Format sei natürlich gesagt, dass man sich bei der Vorbereitung auf das Rauchen etwas vorbereiten sollte. Der Anschnitt jedenfalls ist naturgemäß größer als bei einer Robusto. Da ich selbst zu jenen gehöre, die einen Stabbohrer benutzen und mir klar war, dass ein einzelnes Bohrloch der Churchill Gigante 770 nicht gerecht werden konnte, setzte ich gleich fünf Stück in Kreuzformation an. Sieht gewöhnungsbedürftig aus, ist aber notwendig und tut dem Rauchgenuss keinen Abbruch.

Der Trockenzug der Zigarre war somit optimal, am Zugwiderstand hatte ich nichts auszusetzen. Allgemein war das Trockenaroma würzig und kräftig und der Zug bestätigte das: Ich schmeckte Noten von Schokolade, Kaffee und ein wenig Nuss.

Beim Anfeuern zeigt sich dann, dass die Churchill Gigante 770 gar nicht so einfach zu händeln ist. Trotz einer Triple-Jetflame braucht es hier etwas mehr Geduld und Fingerspitzengefühl. Möglicherweise stellt sich die Routine noch ein, aber einen perfekten Abbrand konnte ich die gesamte Länge der Zigarre über nicht erzeugen. Normalerweise ist es immer möglich, sich an dieser Stelle einzupendeln und nachzubessern, doch diese Zigarre widersetze sich meinen Bestrebungen mit eiserner Härte. Positiv anzumerken ist jedoch, dass ich die Churchill Gigante 770 die gesamte Zeit nicht nachfeuern musste und das, obwohl sie oftmals abgelegt wurde.

Die ersten Züge an der Zigarre sind übrigens gewöhnungsbedürftig. Selbst bei ordnungsgemäßem "toasten" braucht es eben, bis der Rauch kommt. Wenn er dann aber kommt, dann in Hülle und Fülle. Will sagen: Die Churchill Gigante 770 liefert merklich viel Rauch, der angenehm cremig ist. Das schon vorher geschmeckte Aroma aus Schokolade und Kaffee bleibt vorhanden, im Hintergrund arbeiten Leder, Holz und Erde, sind dabei aber niemals dominant. Der Geschmack bleibt jedenfalls lange auf der Zunge und positiv im Gedächtnis. Im letzten Drittel der Zigarre wird der Pfeffer spürbar, nimmt aber niemals überhand.

Die Asche dieser Zigarre ist flockig mit grauer Farbgebung. ich hätte mir eine etwas festere Konsistenz gewünscht, aber das sind lediglich Kleinigkeit. immerhin zerbröselt die Asche nicht allein durchs ansehen.



Fazit

Ich mag dieses Schlachtschiff sehr. Für Einsteiger und Gelegenheitsraucher handelt es sich natürlich nicht um das richtige Format - hier würde ich The Lineage zwar empfehlen, aber zu einem kleineren und vertrauten Format raten. Handhabung und Rauchdauer dürften für Neulinge eher abschreckend sein.

Geschmacklich war ich sehr zufrieden mit dieser Kreation und der Umstand, dass sie mich lange während der Schreibarbeit begleitet sorgt dafür, dass die Churchill Gigante 770 einen Dauerplatz in meinem Humidor bekommt. Zwischen drei und fünf dieser Zigarren liegen eigentlich immer bereit um irgendwann nach 22 Uhr geraucht zu werden.


Wertung: 8/10

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