Writing: Wie Benzin


Das ich eine Vorliebe dafür habe, zu rauchen, ist kein Geheimnis. Spätestens der Name dieses Blogs - und der eine oder andere Artikel zum Zigarrenrauchen - deuten darauf hin. Nun leben wir in Zeiten, in denen das rauchen als schlechte Angewohnheit verschrien ist. Mehr als einmal bin ich nun schon auf meinen Konsum angesprochen worden. Geschenkt.

Denn während das Rauchen für die meisten Menschen da draußen - gerade Nichtraucher - ein gesundheitsschädliches Ding ist, bei dem man sprichwörtlich Geld verbrennt ist, bin ich mittlerweile zu einem ganz anderen Schluss gekommen. Und ich sehe mich durchaus bestätigt.




Vorweg: Ich rauche seit 17 Jahren. Ich bin mir der Nebenwirkung des Konsums durchaus bewusst. Aber ich bin 31 Jahre alt, kann über mein Leben sehr gut selbst entscheiden und brauche niemanden, der mir darüber Vorträge hält, welche Folgen der Tabakkonsum hat.

Das interessante ist eigentlich: Seitdem ich schreibe - oder vielmehr, seitdem das Schreiben einen großen Teil meines Lebens eingenommen hat - habe ich eine ganz andere Beziehung zum Rauchen aufgebaut. Ich habe diesbezüglich eine handelsübliche Karriere hinter mir: Von den Zigaretten marschierte ich zur Shisa, dann zur herkömmlichen Pfeife und bin mittlerweile bei den Zigarren gelandet.

Und je mehr ich schrieb, umso störender empfand ich meinen Drang, zwischendrin meinen Platz verlassen zu müssen, um mir auf dem heimischen Balkon eine "Druckbetankung" zu verschaffen, als störend. Aber wie das so ist mit den Glimmstängeln und der Sucht: Aufhören konnte ich deswegen nicht. Nach einer kurzen Episode, bei der ich während des Tippens dann zur Pfeife griff, sind es jetzt seit etwa zwei Jahren die Zigarren.

Es hat sich ein bemerkenswert erfolgreiches Ritual entwickelt. Gegen 22 Uhr setzte ich mich an den Rechner, wähle mir eine Zigarre aus dem Humidor, mache sie mir genüsslich an und beginne, zu schreiben. Denn im Gegensatz zu herkömmlichen Zigaretten können Zigarren hier bequem im Arbeitszimmer geraucht werden. Der kalte Rauch ist einfach völlig unproblematisch. Was soll ich sagen? Während die Zigarre qualmt und ich mir immer wieder einen Zug gönne, sprudelt es förmlich aus mir heraus. Möglicherweise habe ich auch so schon eine blühende Fantasie (andere leute würden für das, was im Kopf eines Autors passiert wahrscheinlich weniger schmeichelhafte Worte finden), doch die Zigarre beflügelt das alles. Sie ist - und damit wäre ich dann beim Titel dieses Artikels - wie Benzin. Benzin, dass diesen Motor, die Gedankenschmiede antreibt und zu Höchstleistungen bringt.

Natürlich ist das - auch das ist mir vollkommen bewusst - eine Frage der Einstellung und der Psychologie. Die Fakten liegen aber auf der Hand. Während ich mit Zigarre schreibe bin ich nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ besser. Und wenn dann irgendwann gegen 1 oder 2 Uhr der Stumpen (oder zwei) im Aschenbecher liegen, sind irgendwo zwischen 6.000 und 8.000 Worte entstanden. Passagen, die auffallend wenig Überarbeitung brauchen und bei den Verlagen und ihren Lektoren großartig ankommen.

Das ist natürlich kein Patentrezept. Jeder Autor hat seine eigenen Marotten, keine Frage. Für mich kann ich jedoch sagen, dass Zigarren mich in einen unheimlich entspannten und produktiven Zustand bringen. Moment, in denen ich meine Finger nur noch auf die Tastatur legen muss, und dann fließt es. Und natürlich das will ich. Genau das ist der Workflow, den man sich wünscht - und den man anpeilen sollte, wenn man mehr als ein oder zwei Bücher im Jahr veröffentlichen will. Wie man als Schreibender an diesen Punkt kommt, ist natürlich jedem selbst überlassen und es mag viele andere Weg geben als mit einer Zigarre im Mundwinkel. Bei mir hat es funktioniert. Ich habe mein Benzin gefunden.


P.S.: Und von normalen Zigaretten lasse ich auch mehr und mehr die Finger. Wer einmal ein paar gute Zigarren geraucht hat, wird sehr genau verstehen warum.    

Kommentare