Writing: Zielgerade!


Alles hat einmal ein Ende. Als Autor ist dir das vom ersten Moment an bewusst, da du bei einem Projekt in die Tasten haust. Du weißt, dass du dich auf eine spannende Reise begibst, dass du deinen lieb gewonnen Protagonisten (und Antagonisten) Leben einhauchst, dass du ganze Welten vor deinem geistigen Augen ausbreitest. Aber irgendwann wirst du den Punkt erreichen, an dem du alles erzählt hast, was du mit dieser Geschichte erzählen willst. Dann ist es Zeit, sie zu beenden.


Es ist - ähnlich wie die ersten paar Worte, die du zu Papier bringst - ein ganz besonderer Moment. Letztlich bist du zu dem Ziel gelangt, dass du dir von Anfang an vorgenommen hast. 

Für die meisten nicht-schreibenden Menschen scheint dieser Moment schwer zu begreifen zu sein. Genau so oft, wie man mich gefragt hat, wie ich eigentlich zu meinen Ideen komme und wie ich es hinbekomme, kontinuierlich zu schreiben, hat man mich auch schon gefragt, wie es denn ist, eine Geschichte zum Ende zu bringen. Ich frage dann immer nach, was der Fragensteller beruflich macht. Und wie er sich fühlt, wenn er auf der Arbeit ein großes Projekt (jedenfalls etwas, an dem er länger gearbeitet hat) beendet. Den meisten Leuten wird dann klar, wie man sich fühlt, wenn man das finale "ENDE" unter eine Geschichte gesetzt hat. 

Doch es ist egal, wie oft du die letzten Zeilen zu Papier gebracht hast: Es bleibt immer ein besonderer Moment. Und das ist auch gut so, denn andernfalls droht die Gefahr, dass das Schreiben zu einer Monotonie verkommt, die keiner will. Je mehr du dir des besonderen Moments bewusst bist, der Eintritt, wenn du eine Geschichte beendest, umso mehr hast du dich wohl mit dem identifiziert, was du da zu Papier gebracht hast. 

Und bekanntlich geht die Geschichte mit den letzten vier Buchstaben ja nicht aus deinem Leben. Oftmals beginnt die tatsächliche Arbeit  ja erst danach. Ich meine das so, wie ich es schreibe: Das Verfassen einer Geschichte ist für mich keine Arbeit. Es ist weder anstrengend noch zeitraubend noch hat es Passagen, in denen man sich fragt, warum man es eigentlich tut. Es ist, das ist wahrscheinlich das beste Wort, Erfüllung. Das, was ich gerne einmal als "nervig" empfinde folgt ja erst nach dem Ende. Da wird überarbeitet, lektoriert, korrigiert. Natürlich immer mit einem ordentlichen zeitlichen Abstand. Eine Geschichte muss eben "ausdampfen", bevor man sich an den nächsten Schritt macht. 

Und manchmal, wenn du fertig mit dem bist, was du zu Papier bringen wolltest, fällt dir auf, dass dadurch ganz neue Ideen gesprossen sind. Du fragst dich automatisch, ob du deine Geschichte "besser" machen kannst, wenn du diese Ideen in eben jenes Manuskript einfließen lässt, das du gerade zum Abschluss gebracht hast. Oftmals kommen dir diese Gedanken natürlich auch, während du noch an einem Manuskript sitzt. Für mich ist auch das ein Zeichen, wie sehr dir deine Geschichte eigentlich zugesagt hat, wie sehr du dich mit der Welt, die du ausgebreitet hast, identifizieren konntest. Aber auch hier gibt es einen einfachen Ratschlag: Nimm diese Gedanken mit, lass sie wachsen - und bau sie in eines deiner nächsten Manuskripte ein, statt jenes, was gerade fertig ist, noch einmal umkrempeln zu wollen. 

Warum ich das alles Schreibe? Weil ich mich diesem besonderen Moment gerade wieder nähere. Trümmerwelten steht mitten in seinem Finale und Ann-Kathrin Karschnick und ich werden in absehbarer Zeit fertig werden. 

Ich merke das Kribbeln, die Vorfreude darüber schon jetzt und habe mir die besondere Zigarre, um diesen Schritt zu feiern bereits bei Seite gelegt.  



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