Writing: Leserpreise


Gerade ist er wieder beendet worden: Der große Loveleybooks Leserpreis 2016. Natürlich gehört es sich, den Gewinnern zu gratulieren, doch gleichzeitig lässt mich diese Veranstaltung (und eigentlich jeder Leserpreis) mit einem schalen Beigeschmack zurück.

Vorweg, bevor irgendjemand auf die Idee kommen mag, mich als einen schlechten Verlierer zu titulieren: Bin ich nicht. Solche Preise sind letztlich lediglich nice to have, resultieren in irgendwelchen Erwähnungen oder Aufklebern, dürften aber ansonsten wenig Einfluss haben. Im Grunde gibt es nicht einmal schöne Trophäen, wobei das rein subjektiv ist.




Leserpreise arbeiten nach einem einfachen Prinzip: Die Preisverleihung teilt sich in zwei Runden auf. In der ersten ist jeder Leser dazu aufgerufen, seine Lieblingsbücher zu nominieren. Anhand der eingegangenen Stimmen wird dann eine Shortlist  zusammengestellt, auf die es Anzahl X der vorher nominierten Bücher (nämlich jene mit den meisten Stimmen) geschafft haben. Diese Shortlist wird im zweiten Durchgang dann wieder zur Wahl gestellt, mittels der abgegebenen Stimmen wird nun der Gewinner ermittelt.

Dieses Prinzip, dass zu Beginn suggeriert, das jeder - auch kleine und neue Autoren - eine Chance haben, empfinde ich als äußerst problematisch. Denn tatsächlich hat man als kleiner und unbekannter Autor hierbei eigentlich kaum eine Chance. Denn es geht am Ende nur darum, wie viele Menschen du als Autor hast animieren können, an der Abstimmung teilzunehmen. Hieraus ergibt sich zwangsläufig: Je größer meine Community, umso wahrscheinlicher ist es, dass ich einen guten Platz belege und vielleicht sogar einen Preis bekomme.

Der Autor braucht also in erster Linie eine aktive Leserschaft, die irgendwie mit ihm vernetzt ist. Dank Websites, Newslettern, Facebook und twitter ist das heute sicher nicht mehr so schwierig wie vor einigen Jahren. Und trotzdem: Das Gros der Leserschaft ist stumm. Es sind Konsumenten, die vielleicht nicht vernetzt sind oder schlichtweg auch kein Interesse haben. Sie wollen Geschichten lesen. fertig. Das ist unbenommen. In der Hoffnung, den einen oder anderen dennoch zu einer Stimmabgabe bewegen zu können, macht der mittlerweile etwas verzweifelte Autor Aufrufe. Auf seiner eigenen Seite, in fremden Timelines und an anderen Orten. Das erinnert mich nicht nur an politischen Wahlkampf (wobei die meisten Buchcover um Welten besser sind als Wahlplakate), es verkommt vor allem zu einer Sache: Der Autor erscheint wie ein Bettler.

Verzweifelt und letzten Endes auch unwürdig geht er jetzt also hausieren und wirbt um jede noch so kleine Stimme. Allzu leicht kann das in die Hose gehen, denn die Community, die mit zu viel Werbung bombardiert wird, wendet sich entnervt ab. Warum sollte sie auch mit jemandem vernetzt sein, dessen einziger Output gefühlt daraus besteht, für eine Abstimmung zu werben? Und wenn du als Autor eins nicht tun solltest, dann ist es, es sich es mit dem zarten Pflänzchen der Leserschaft, die du so mühevoll aufgebaut hast, zu verscherzen. Und nein: Das ist nicht nur ein Gefühl. Ich habe im letzten Jahr Rückgänge während des Leserpreises bemerkt und auch in diesem Jahr. Und weil man irgendwann an den Punkt kommt, an dem man es Leid ist, Leute mit Werbung zu nerven und sich wie ein Bettler vorkommt, lässt man es eben bleiben.

Am Ende gewinnen also andere. Nämlich entweder die, die schon einen großen Namen haben und dadurch eine entsprechende Anhängerschaft oder jene, die es durch massive Werbung geschafft haben, Leute zu mobilisieren. Ob ein so entstandenes Ranking dann immer noch mit "BESTE" betitelt werden sollte, darf jeder für sich entscheiden.

Welchen Wert Leserpreise für mich haben, kann man also erahnen. Jedenfalls glaube ich, werde ich in den nächsten Jahren die Finger davon lassen. Input und Output stehen in keinem Verhältnis.

Wie ist es bei euch?
 

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