Writing: Die innere Uhr


Schreiben hat nicht nur etwas mit Kontinuität zu tun, es handelt sich vor allem um eine Aneinanderreihung von Ritualen, die in der Gesamtsumme dann zu jener Produktivität führen, an dessen Ende die Beendigung eines Manuskripts steht. Oder anders gesprochen: Jeder, der Bücher schreibt, beendet und veröffentlicht, hat sich seine eigenen Handgriffe zugelegt um den Prozess für sich zu gestalten.




Auf das Thema der Schreibrituale kann man immer wieder einen Blick werfen und letztlich auch eine ganze Menge zu verfassen. Ich möchte mir heute daher nur einen Aspekt herauspicken und darüber berichten.

Es geht, da ist der Titel wahrscheinlich schon eindeutig, um die Frage, wann der richtige Zeitpunkt ist, um in die Tasten zu hauen und eine Geschichte zu schreiben. Die Grundregel dafür ist einfach: Es gilt, die eigene, innere Uhr zu beachten.  Wir alle haben über den Tag verteilt Höhepunkte unser Produktivität und eben auch Zeitfenster, in denen wir träge sind. Und jeder kennt das doch: Da hat man sich vorgenommen, eine Aufgabe anzugehen, alles vorbereitet und entdeckt dann, dass man bestenfalls sehr träge ist, schlimmstenfalls sogar gar nichts hin bekommt.

Solche Fälle sind für mich immer schnell erklärt: Man hat versucht, gegen die eigene Uhr zu spielen. Ein Unterfangen, dass nur nach hinten losgehen kann.

Der Mensch ist eben verschieden, und so, wie es "Morgenmenschen" gibt, gibt es eben auch "Nachtmenschen". Natürlich kann man versuchen, gegen diesen inneren Rhythmus zu arbeiten, sich zwingen, trotzdem etwas zu Papier bringen zu wollen. Und die meisten haben das in ihrem Leben sicher schon mal gemacht - ich persönlich denke dabei beispielsweise an mein Studium, wo die Umstände es manchmal eben nicht zuließen, so zu arbeiten, wie ich es gerne wollte. Sicher: Irgendwie hat es immer geklappt, aber wirklich zufrieden war ich in den seltensten Fällen.

Gerade, wenn man eine Menge Text auf das (virtuelle) Papier bringen will, sollte man daher ein wenig in sich horchen und  nur so arbeiten, wie man es eben am besten kann. Ich kenne Leute, die kommen super damit klar, früh morgens, nach dem Aufstehen, einige hundert oder gar tausend Worte zu Papier zu bringen - noch bevor sie arbeiten gehen. Andere wiederum sind nach der Arbeit am produktivsten und die nächsten (dazu zähle ich mich) können eben mitten in der Nacht gut schreiben.

Wir teilen uns unsere Arbeit im Endeffekt nach zwei Aspekten ein: Wann bin ich besonders produktiv? Wann passt es in meinen Tagesablauf? Wer Nachts besonders produktiv ist, es aber wegen seines regulären Jobs kaum schafft, dort in die Tasten zu hauen, wird das Schreiben vielleicht bald schon als Belastung empfinden. Der Trick ist bekanntlich, das Schreiben mit dem Rest des Tages so abzustimmen, dass es keine Probleme gibt.

Bei mir sieht das so aus: An einem regulären Arbeitstag bin ich vor allem Nachts besonders produktiv. Müsste ich das an einer Uhrzeit festmachen, dann würde ich sagen ab 22 Uhr. Vorher sind mir die Ablenkungsfaktoren einfach zu groß und ich brauche auch einfach ein paar Stunden Entspannung, um nach meinem regulären Job soweit herunter zu fahren, dass ich mich in der Lage fühle, in die Tasten zu hauen. Diese Stunden sind dann übrigens nicht verschenkt: Ich denke über das nach, was ich schreiben will, wäge Plots und neue Projekte ab - aber das eigentliche Schreiben beginnt eben erst um 22 Uhr. Dann aber geht es konzentriert ans Werk, sodass ich mindestens bis 0 Uhr, viel öfter aber bis 1 oder 2 Uhr schreibe. Manche Dinge müssen halt raus. So entwickelt sich schnell eine Routine.

Und aktuell passt diese Art zu arbeiten, dieses Berücksichtigen der inneren Uhr ganz gut in meinen sonstigen Tag. Wahrscheinlich wird das nicht immer so bleiben, denn den Luxus, Schlaf über den Tag  nachzuholen, hat man wohl nur, solange noch keine Kinder da sind. Schauen wir mal, was die Zukunft so bringt.    

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