Cigars: In Würde sterben lassen


Eine der zahlreichen Unarten, die durch Filme und das Fernsehen über das Zigarrenrauchen verbreitet wird, lässt jedem Aficionado das Blut in den Adern gefrieren: Irgendwer drückt seine Zigarre in einem Aschenbecher aus oder - noch schlimmer - lässt sie einfach so auf den Boden fallen und nutzt dann seinen Stiefel.

An einer so einfachen Sache kann man schon erkennen, ob es sich um einen echten Zigarrenraucher oder eben um jemanden handelt, der keinerlei Ahnung von dem hat, was er da eigentlich tut.




Gerade Neulinge begehen den Fehler, Zigarren mit Zigaretten zu verwechseln. Diese werden bekanntlich im Aschenbecher ausgedrückt, auch, um zu vermeiden, dass die Glut den Filter erreicht, was einen recht üblen Gestank zur Folge hat.

Eine Zigarre ist aber keinesfalls vergleichbar mit einer Zigarette! Verarbeitung und verwendete Tabake machen den großen Unterschied. bei der Zigarette handelt es sich um ein Produkt industrieller Fertigung, noch dazu mit qualitativ wenig anspruchsvollen Tabaksorten. Das hat zwei Folgen: Eine Zigarette ist schnell und günstig produziert und ihr Rauch stinkt mitunter, wird als beißend und kratzend wahrgenommen (was nicht zuletzt auch an den Zusatzstoffen liegt). Die Zigarre hingegen ist ein Handwerksprodukt aus relativ edlen Tabaken (abhängig von der Marke und dem angelegten Geld). Der Rauch hat eine ganz andere Qualität und es handelt sich eben auch nicht um ein einfach herzustellendes Produkt.

Ganz im Gegenteil. Erfahrene Zigarrenroller müssen ihr Handwerk über Jahre lernen, bis sie ordentliche und hochwertige Zigarren herstellen können. Jeder Stumpen ist daher also als Unikat zu betrachten, in den Jahre voller Erfahrung geflossen sind.  Es handelt sich - auch wenn das pathetisch klingt - wohl um das aktuell beste Produkt, dass ein Zigarrenroller mit seinen Fähigkeiten schaffen kann. Die Jahre an Erfahrung, die in eine solche Zigarre geflossen sind, gehören wertgeschätzt. Und den Stumpen einfach lieblos auszudrücken, ist alles, nur kein Beweis der Wertschätzung.

Hinzu kommt, dass der Aficionado immer alles tut, um ein Brechen von Um- und Deckblatt zu vermeiden. Genau das aber passiert, wenn die Zigarre gewalttätig gelöscht wird. Wir können doch nicht soviel Aufmerksamkeit auf einwandfreie Zigarren verwenden, am Ende dann aber über genau diesen Affront hinwegsehen!

Und als letztes das für mich wichtigste Argument. Die Zigarre sorgt - je nach Format - für einige Stunden voller Genuss. Sie hellt das Gemüt auf und entführt ein in andere Welten. Sie wie "Dreck" zu behandeln, wenn wir mit ihr fertig sind, gehört sich daher schon nicht.

Zigarrenrauchen folgt eine Philosophie. Es steht für Entschleunigung und Genuss. Das Zigarrenrauchen will vom ersten bis zum letzten Moment zelebriert werden und gehört, damit es seinen besonderen Stellenwert nicht verliert, auch ritualisiert. Eines dieser Rituale ist es eben, dass eine Zigarre in Würde sterben muss. Was das heißt? Wenn du fertig mit dem Stumpen bist, dann lege ihn einfach in den Aschenbecher. Du wirst sehen: Wenn nicht daran gezogen wird, dauert es nicht lange, bis er von selbst erlischt.

Manche Leute stören sich trotzdem an dem Rauch, der dann noch einige Zeit aus der Zigarre aufsteigen kann. Auch dafür gibt es eine einfache Lösung: Man nimmt als "Zigarrengrab" einfach einen Aschenbecher mit Deckel. Ich beispielsweise haben einen, der ursprünglich für meine Pfeifen gedacht war. Dort landet der Stumpen. Deckel drauf und schon ist der Rauch auch kein Problem mehr.

Es ist also ganz einfach, eine gute Zigarre in Würde sterben zu lassen. Immer daran denken: Sie hat dir eine angenehme Zeit beschert. Sie hat es auch am Ende verdient, dass du pfleglich mit ihr umgehst!        

Kommentare